BETENDER RUF

              

(4:30 Minuten der Stille)

 

Und für gewöhnlich ereignet es sich, dass nach einem eisigen Prozess, nach einer Kulminierung welcher Art auch immer, das Wesen biologisch sowie psychologisch –um für den Moment das Verständnis dieser beiden Ausdrücke zu erhalten- dazu neigt nachzulassen. Es fällt ab, so wie das Beispiel Probe einer Grafik, die stark ansteigt, kulminiert, absteigt und absteigt… und nach und nach fängt sie wieder an aufzusteigen…

Das, was uns der Betende Sinn aufwirft ist: Ist das so? Oder ist das etwas, was der organisierende, mächtige und einflussreiche Sinn der unterschiedlichen Generationen nach und nach erzeugt hat?

Und es ist zulässig, darüber nachzudenken, denn es existieren Lebendsysteme, die von Anfang an in kulminierenden Prozessen gibt –wenn sie sich als solche bilden- und sie verbleiben weiterhin in der Kulminierung. Es sei denn, dass es in ihrer Organisation fremde Ereignisse gibt, die ernsthaft ihre Strukturen und ihre Dynamik stören.

 

Das strukturell größte lebende Wesen –nicht nur an Größe, sondern auch an Biodiversität- des Planeten ist das Korallenriff. Und wissen Sie, es hat eine Unendlichkeit an Zeit mit einer wachsenden evolutiven Entwicklung überdauert, prachtvoll beeindruckend. Als es anfing kaputt zu gehen war das nicht deswegen, weil es kaputtgehen musste,  nein, es war die störende, zerstörerische, zerfressende und kontaminierende Handlung des menschlichen Wesens. Trotzdem sind noch… mehr oder weniger Korallenriffe erhalten, die versuchen zu überleben.

Dieses Makro-Beispiel könnte man für eine Menschheit halten. Ja, es enthält eine so umfangreiche, so ausgeglichene, so dynamische und so kreative Biodiversität, dass das sehr wohl das Verhalten unserer Spezies sein könnte: dynamisch, kreativ, expansiv, neuheitlich…

 

Wenn man diesen Bezugspunkt fördert könnte es so aussehen, dass es unausweichlich ist –unausweichlich-, dass man, wenn man eine bestimmte Ebene des Ausdrucks erreicht hat, dass es unausweichlich –unausweichlich- ist, dass man bis zu sehr niederen, sehr gewöhnlichen Ebenen abfällt. Man nennt diese Prozesse sogar „Gesetze des Lebens“. Und auch wenn man die sogenannte „Müdigkeit” erlaubt, darf man in der Erholungszeit nicht in die Vulgarität verfallen –sagt uns der Betende Sinn-, die unserem Aufstieg hin zum Kulminierenden vorausgegangen ist und noch viel weniger weiter unten(!), denn diese Periode der Pause ist eine Periode der Erneuerung, der Auswertung, der Bewertung, des Angebots, der Vorschläge. Danach geht die Kulminierung weiter. Zweifellos mit einer anderen Dynamik, mit anderen Rhythmen, aber nicht… nicht mit einer décalage[1] von „fertig(!)“, schließlich der  Frustration.

Es könnte den Anschein haben, als ob in der Spezies ein Rhythmus des Triumpfes und des Scheiterns eingeführt worden wäre, und um wieder zu triumphieren muss man vom  Scheitern ausgehen und um gesund zu sein, muss man vorher sehr krank sein und um den Frieden zu schmecken, muss man vorher den Krieg erzeugen.

Was… was ist das denn für „ein Gesetz des Lebens“? Geht die Sonne nachts etwa aus?  Nein. Es ist die Erde, die mit ihrem Bezugspunkt kokettiert.

Beginnen wir etwa nicht mit dem Herbst und gleichzeitig mit dem Frühling?

Es gibt weder Waffenstillstand noch Pause! Es gibt eine permanente Kulminierung. Und Dank dessen erhält sich das Universum, es drückt sich aus, es zeigt sich. Jeden Tag erzählen uns die astronomischen, astrophysischen Beobachter nicht voraussehbare Neuigkeiten, als ob sie sagen wollten: „Also das hätte nicht geschehen dürfen”, so wie der kürzliche Ausbruch oder die Vereinigung von zwei schwarzen Löchern, die vor Millionen von Jahren eine Gravitationswelle erzeugt haben und die hier angekommen ist. Nein, das kann nicht sein.

Doch, es ist so.

Der Mensch in seinem winzigen Bewusstsein, wenn er das „Wissen-Macht” fokussiert, beabsichtigt –und er erreicht es, aber durch Unterdrückung-… er erreicht es Gesetze, Gebote, Bestimmungen aufzustellen und gleichzeitig, da er sapiens ist, hält er sich für wild und brutal(!), weil er bestätigt, dass wenn das nicht so ist…, dass man dann nicht leben könnte, dass nicht da sein könnte: ohne Gesetze, ohne Normen, ohne Artikel! Deswegen erstaunt es sogar die Astrophysiker –von denen man annehmen könnte, das sie eine unberechenbare Fähigkeit für das Staunen haben müssten-, dass es sie überrascht, dass etwas passiert, was nicht vorgesehen war, was die Gesetze herausfordert. Welche Gesetze?

Ja, sicherlich, es existieren Rhythmen und Variablen. Aber so sehr man auch Nachdruck auf den Ursprung des Universums legt, „weil-das-ist-so”, wenn sie die Situation des Ganzen überdenken, dann… passt das nicht.

Ein einziges Detail, jetzt, da die Astrophysik erwähnt wird: Der Betende Sinn erinnert uns daran, dass alles Einstein mäßig vorgesehen war, damit das Universum sich ausdehnt, aber dass dann eine Kraft der Konzentration existierte und sich ein Gleichgewicht erhalten würde. Ein großartiges Gesetz, damit wir alle starr wie ein Stalagmit verbleiben. Ein… cooles Modell!

Aber das „coole” Modell der Unbeweglichkeit, auch wenn es erlaubt, dass es sich ausdehnt und sich zusammenzieht, hat sich fix und fertig gemacht. Ja. Es ist nicht möglich ausreichend zentripetale oder kontraktive Kraft oder Energie zu finden. Es ist nicht möglich. Das einzige was sich ausdrückt, ist eine immer stärkere Expansion, exponentiell immer schneller.

Das passt nicht zum Gesetz!

Ja, in der Menschheit hatten wir noch viel umstrittenere Gesetze: im Krieg einen Feind oder Feinde zu töten bringt letzten Endes eine Medaille mit sich, eine Medaille an der Brust, eine Auszeichnung. Aber wenn der Frieden kommt und man dann einen Feind tötet, zieht das das Gefängnis, Lebenslänglich oder Hinrichtung nach sich.

Und man sagt: „Aber die Tatsache war dieselbe, nicht?”

Schon, aber in einem Fall war es die Wut, das Vaterland, die Verteidigung, der Angriff… Und in dem anderen war es so wie, wie, wie, wie… also nein…  also ja.

Wahrscheinlich –wahrscheinlich-, wenn man die Mörder, die im Gefängnis sind, wiederaufbereiten könnte und man sie in die Zeit der Epoche des Krieges bringen könnte, dann wären sie Helden.

Na, sowas, nicht wahr? Welches ist das Gesetz?

Der Betende Sinn… pocht ohne Gesetze!

Moses brauchte Tafeln, um ihnen neue Gesetze zu geben, die überhaupt keine Neuheit waren. Aber es gibt eine Besonderheit! Es gab zwei Gelegenheiten. Bei der ersten wusste man nie, wie die Gesetze gewesen waren. Der Hochmut und die Eitelkeit von Moses. Er zerschmetterte sie gegen das Goldene Vlies. Danach musste er zurückkehren und dann hat man ihm Tafeln von minderer Qualität gegeben. Ja, ja, Tafeln, die die Welt schon kannte.

Sie waren keine Neuheit. Das „Du sollst Deinen Herrn mit all Deiner Kraft lieben”… Das wusste man schon! Das „Du sollst nicht töten”, das „Du sollst nicht die Güter der anderen begehren”, etc. Was haben sie beigetragen?    

Heutzutage verehrt man das weiterhin als „Das Gesetz“.

Aus Neugierde zu sehen, wer… –nicht, um ihn zu kennzeichnen, anzuzeigen- aus Neugierde zu wissen, wer der erste Mensch war, der erfand –nein, nicht erfand; „Erfindung“ ist etwas…-, was ihn dazu brachte, die Schöpfung, das Schöpfer Mysterium, das Göttliche zu beherrschen und anfing, von „göttlichen Gesetzen“ zu sprechen.

Ganz im Ernst, glauben Sie –so unter uns-, dass Gott Gesetze hat? Ist er ein rechtskundiger Hierarch, der Paragrafen festlegt…? So wie wir es in einer kleinen Winzigkeit gesehen haben, bietet diese Schöpfung unserem Wissen einen enormen Streich: Wir wissen nichts! Die Gesetze werden zu Staub.

Wenn man sich auf die Schöpfung als „das Schöpfer Mysterium” bezieht dann zeigt man es in diesen Worten–„Schöpfer Mysterium”- als etwas, das sich außerhalb unseres Bewusstseins befindet. Aber Achtung: Außerhalb in Bezug auf das Wissen, aber sehr drinnen in Bezug auf das Erleben.

Das gibt uns… einen befreienden Sinn. Wir greifen nicht auf die Gesetze zurück.

Wir hören das fühlen, wir nehmen den Fluss der Zufälle, der Überraschungen, des Unvorhergesehenen, des Glück Habens wahr…; die Entwicklung der Güte, der Respekt, das Zusammenleben, die permanente Kreativität. Nichts davon gehorcht den Gesetzen! All das ist ein Produkt der Inspiration, der Inspiration der Schöpfung!

Von diesem LIEBEN, das uns GEBIRT, das uns das wache, leuchtende Erwachen gibt.

Die permanent expansive und neuheitliche Kreativität jedes Wachzustandes, eines jeden Tagesanbruchs in sich aufzunehmen…; und in dem anscheinenden… Anscheinenden  … –„Anscheinenden” entdecken, aber man muss sich in diesem Verhalten befinden-, in diesem anscheinenden Moment der Wiederholung zu entdecken, dass es nicht diese Wiederholung ist, dass es Details, Beispiele, Bilder gibt… und mit dem Verhalten, uns an einem anderen Ort des Universums zu befinden, in einem anderen Moment des liebevollen Erklimmens… und fühlen, dass uns all das… was uns verwickelt… Güte der Schöpfung ist.

Es ist… neuheitliches Wohlwollen.

Es ist… unaufhörliches Erbarmen, das sich in jedem Augenblick erneuert und das uns die Transzendenz gibt.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Der Betende Sinn zeigt uns mit unserem Verhalten und der dementsprechenden Aufmerksamkeit, wie das Aroma des Tages unterschiedlich ist, wie die Bewusstseinszustände ein anderes Erwachen haben, wie das Verhalten der Vorstellungskraft, des Zuhörens… anders ist.

Indem wir unsere Position betrachten, bemerken wir unsere Variablen. Jene, die uns permanent kreativ sein lassen. Jene, die uns zu Situationen bringen, in denen wir rein theoretisch nicht wissen, was wir sagen sollen…! Aber wir müssen schon wissen, wo wir suchen, wo wir fragen müssen.

Weil es keinen anscheinenden –„anscheinend”- Mangel gibt, der nicht seine dem Moment angemessene, an die Umstände angepasste, göttliche Antwort hätte.

 

DAS EWIGE in SEINER unermüdlichen Pflege, Aufmerksamkeit und…  und Aureole hin zum Leben unterwirft es (das Leben) keiner Einbahnstraße. ES plagt es (das Leben), ja, ES umwirbt es, ES sperrt es ein, ES bringt es an den Abgrund, aber ES schubst es (das Leben) nicht. Und wenn ER das macht, dann lässt ER nicht zu, dass es sich in dem Fall stößt.

Deswegen, wenn man jeden Tag dieses Bewusstsein der Innovation fühlt, dann wissen wir, dass jeder Umstand, der uns überfordern könnte, seine adäquate Antwort hat. Und wir werden sie suchen und wir werden sie finden, weil sie uns findet.

Selbstverständlich immer dann, wenn wir in dieser Disposition befinden.

Das Sprichwort sagte: „GOTT drückt zu, aber ER erstickt nicht.”

 

(2 Minuten der Stille)

 

Das Schöpfer Mysterium von seiner tiefen Dunkelheit aus… erleuchtet uns. In seinem Betenden Sinn… klärt es uns.

Und es ist SEIN Eifer, uns in den Armen aufzunehmen, eine Verhüllung unseres Wesens zu sein. Und so fühlen wir uns abgeholt, assistiert, gehütet. Und nach und nach werden wir dieses freie Verhalten haben. So wie das Kind, wenn es spielt, hüpft, springt und läuft: Es ist sich zweifellos nicht bewusst, dass es der Vater oder die Mutter  zudecken, die sich um irgendeine Gefahr kümmern; aber so ist es.

Wenn das Wesen zur Reife kommt, wird es sich fortschreitend bewusst, dass seine Spiele, seine Sprünge… durch das Schöpfer Mysterium, durch eine liebevolle Inspiration gehütet werden.

Und wenn man das alles weiß(!), dann wird sich das Wesen wie jener Knabe, wie jenes Mädchen bewegen. Aber jetzt macht es das mit dem Bewusstsein, dass es das Notwendige finden wird, sich in dem Neuheitlichen ausdrücken wird, an seine Ressourcen glauben wird, es suchen wird und SIE es finden werden.

 

 

***

 


[1] Abziehbild

42. Es gibt keinen anscheinenden Mangel, der nicht seine göttliche Antwort hätte