40. Antworten ohne Vernunft

 

BETENDER RUF

 

(4:30 Minuten der Stille)

 

Wer bewegt die Gezeiten in ihrem Schaukeln…?

Wer belebt… den Wind…?

Oder wer ist der, der den Tautropfen ausschüttet…?

Woher kommen die Helligkeiten… und die Dunkelheiten, die scheinen dasselbe Zeichen zu sein?

Wer bringt die Zufälligkeiten?

Angesichts allem Geordneten… warum ereignet sich das Unvorhergesehene?

Wie soll man… das Überraschende erwarten?

Wohin gehen sie…? Existiert der Friedhof der Federn der Vögel? Kann man mit ihnen noch einmal einen neuen Flug machen?

Wer dekoriert die Farbe der Blumen? Wie erzeugt sich die Eleganz eines Staubgefäßes? Oder wie bildet sich der Sprung eines Frosches?

Wer entwirft das Gewebe… eines Spinnennetzes?

Wo wohnt das Mysterium, das… in Stille spricht?

Was macht, was macht der Mensch herumstreifend, beschränkt an einem verloren Ort?

Wer verleitet ihn zu seinen Einfällen?

Wer… wer befiehlt die Trockenheiten… oder die schlammigen Sturzbäche?

Erschrickt sich die Menschheit von ihrem Exil aus an diesem Ort des Universums?

Es scheint eher so zu sein, dass sie sich in ihren irrigen Wissenskonzepten abkapselt.

Sie glaubt vielmehr, dass sie die Erde, die sie betritt, errichtet hat. Sie glaubt vielmehr, dass sie die Vulkane durchbohrt hat und dass sie die Berge hervorgebracht hat.

 

SIE geben vom Mysterium aus den Wesen der Menschheit das Bewusstsein, damit, damit diese ihre Vorstellungskraft, ihre Befähigung vergrößern, damit sie treue Gottergebene ihrer Beschaffenheit sind, jeder Einzelne… und damit sich jeder Einzelne in seinen Fähigkeiten fördert, welche die Gaben sind, die das Leben angeboten hat.

 

Wer… wer kennt den Raum? Ist es vielleicht ein abgemessener Raum? Ja, können wir ihn hier domestizieren und über Meter, Kilometer sprechen… Und wenn wir uns dort platzieren?

Und wenn sich der Raum ohne Grenzen schöpft und schöpft und uns die Unendlichkeit gibt…  fehlt da vielleicht die Zeit. Hat jemand die Zeit abgesondert…?

Und so, in einer Welt der Grenzen –welche sich die Menschheit markiert, weil sie sich anscheinend in einer begrenzenden Sphäre befindet-, ist das Licht das schnellste, abgesehen davon, dass das Licht einen kleinen Prozentsatz des Universums darstellt.

Wurde das Licht geschaffen, damit es rennt? Damit es beschleunigt… um einen Schweif der Dunkelheiten zu hinterlassen…?

 

Die betenden Fragen sind klärende Antworten.

Ja, weil uns das in eine andere Dimensionierung von Raum-Zeit-Geschwindigkeit trägt, ohne dass davon irgendetwas existieren würde.

Daher… –daher-… gibt es irgendetwas, das existiert?

Und das sind keine Zweifel… so wie Seifenblasen. Das sind Fragen mit Antworten ohne Vernunft, um in eine andere Dimension einzutreten.

 

Welcher ist der beste Klang? Das klagende Murren und gebrochene Miauen einer Katze oder… der Gesang eines Delfins, der sich mit den Wassern vermischt? Sind es die Gewässer, die singen oder der Delfin?

Es gibt so viel, so viel Distanz zwischen der Schöpfung und uns(!), dass wir nichts verstehen noch antworten können? Wohin will sie uns bringen?

Wenn sich das Wesen bereitstellt, um ohne Text, ohne Entwurf, ohne Umschweife, ohne einen Plan zu beten …

Ein Plan…? Gibt es vielleicht einen göttlichen Plan…? Braucht das Schöpfer Mysterium vielleicht einen Plan…?

Aber der Mensch kokettiert mit seiner vernünftigen Mystik. Und spricht von „göttlichen Plänen”, erstens: so als ob es sie gäbe oder als ob sie sich in Reichweite eines  extremen Bewusstseins befänden.

 

Weit über die Worte und über die göttlichen Abstammungen hinaus, weit darüber hinaus(!)… hüllen die Mysterien das ein, was man als „Alles” bezeichnet, ohne zu wissen, was das Alles ist.

Der Göttliche, Vermittler des Großen Mysteriums, mahnt uns unaufhörlich an… damit die Menschheit nicht in ihren Unverschämtheiten, in ihren Forderungen, in ihren Obligationen, in ihren Pflichten, in ihren Versprechen, in ihren viereckigen Räumen… mit Ecken und Zähnen ertrinkt.

 

Begierig(!)… begierig zeigen sich die, die sich nach dem Göttlichen sehnen. So bald von allem menschlichen losgelöst, und sich ihren Spekulationen… den Konstruktionen in Bezug auf die Schöpfung überlassend –die noch nicht einmal imaginär sind! Sie kommen, um einen großen Warnschuss ins Spiel zu bringen… oder sie kommen, um die Worte des Schöpferischen aufzuzeichnen. Und dort debattieren sie zwischen Teilchen und Sub-Teilchen… und alten geschriebenen Vermächtnissen…

Ach…! War es nicht genug mit dem Klang, dass man ihn deswegen schreiben musste, um ihn einzufangen!?

Es ist so ähnlich wie wenn man die Luft in Beschlag nimmt, wo ein Vogel längsfliegen muss.

 

Und während sich die Menschheit ihrer Errungenschaften, ihrer Herrschaften, ihrer Mächte, ihrer persönlichen Wichtigkeiten rühmt…, verläuft das Wasser –unausweichlich für diesen Lebensstil- teilnahmslos weiter. Es applaudiert nicht in seinem Verlauf, noch feiert es seine Regenfälle, noch hält es Zeremonien an seinen Quellen ab… Nein… es zündet keine Kerze in mitten des Sees an.

Und das unsichtbare Atmen dieses Prana –dem man einen Namen gibt… um es zu beherrschen-, feiert in seinen flatternden Drehungen von Kommen und Gehen nicht die Luft. Es scheint eine eingesperrte Katze, die nicht den Ausgang und den Fluchtweg aus diesem blau Gemalten findet.

 

Der betende Lockruf… ist das Echo dessen, was niemals klang, dessen, was niemals gesagt wurde…

Die Emanation… ohne Ursprung!

Die Ewigkeit führt sich nicht herbei.

 

Ach! Wie sehr verlangt die Menschheit von der Schöpfung, damit SIE ihm erzählt, was das Gute und was das Schlechte ist! Es ist kaum zu glauben, dass sich die Klugheit (span. ‚sapiencia[1]’) mit Stolz erfüllt ist, alles zu kennen. Aber im Grunde… weiß sie, dass es Eitelkeit ist. Und mehr noch in der Tiefe wartet das Wunder einer überraschenden… ja, einer überraschenden und mysteriösen Aktion.

Es pocht, ja, es pocht im Herzen eines jeden Wesens… dem Wunder der Gefangennahme vom Ewigen aus beizuwohnen und es zu leben; von dieser… „Farbe” entführt zu werden, um uns in die Unermesslichkeit des Mysteriums zu bringen.

Auf unterschiedlichen Ebenen wartet man permanent auf das Wunder.

Ehrlich gesagt ist es da(!), aber nicht nach dem menschlichen Geschmack. Deswegen kostet er (der Mensch) es nicht, riecht es nicht, schmeckt es nicht, berührt er es nicht. Es gibt zu viel Hochmut, um zuzulassen, dass es eine andere… andere Perspektive, eine andere Natur gibt, die es wirklich gibt.

 

Das Göttliche ist unmittelbar! Das, was ihm vorangeht, bedarf keiner Aktion.

 

Und so ist es, dass uns der Betende Sinn fragt:

Warum sollte man sich infolgedessen an der Vernunft festhalten? Warum… angesichts von Situationen verzagen? Warum sich unter- oder überbewerten? Was für einen Sinn hat es zu dominieren, zu kontrollieren…? Ist es etwa keine Beleidigung… gegenüber der Außergewöhnlichkeit des Lebens?

Ausgehend von der unglaublich mysteriösen Sichtweise schlägt sich ein Augenblick nieder, der sich „Leben“ (span. ‚vida‘) nennt. Weil DER DER SIEHT, macht das möglich, was da ist.

Weil DER DER SIEHT das möglich macht, was da ist.

 

Ja, es ist möglich –drückt uns der Betende Sinn aus- mit dem Bewusstsein da zu sein, dass wir visioniert wurden… und dass wir deswegen da sind.

Die allerkleinsten unserer Handlungen oder Gedanken… werden gesehen, gewiss.

Derjenige, der verheimlicht, leistet einen schlechten Dienst…, weil seine Nutzlosigkeit noch offensichtlicher wird.

DERJENIGE, DER VISIONIERT… und das Dasein erzeugt, kann nicht hintergangen werden. Von daher kann man hier betend… üben und transparent sein. Ein sichtbares Dasein.

Und deswegen, ein Dasein angesichts… angesichts einer transzendenten Vision         –ohne dass es eine Unterwerfung wäre(!). Und so wird jedwedes Tun… schön, mysteriös, überraschend, lächelnd (span. ‚son-riente’[2]).

 

Im Einklang der Visionen wird man…

Wird man da sein… ohne an irgendeinem Ort fortzudauern.

 

So…

 

***

 


[1] Damit wird auch auf den Homo sapiens verwiesen

[2] „Son“ , „Klang“, „riente“, „fröhlich“