39. Zu leben ist nicht schwer

 

BETENDER RUF

 

(4:30 Minuten der Stille)

 

Es geschieht, dass die kleinen Details… immer kleiner werden und zu weilen verschwinden sie.

Es geschieht, dass die Kritik häufiger wird und in einer kurzen Zeitspanne steigert sie sich und sie übersäuert… ohne Rücksicht darauf, ob sie verletzt.

Es geschieht, dass man die Kompromisse akzeptiert… wir könnten sagen, dass man das am Anfang mit einer gewissen Beharrlichkeit tut, aber danach verwischen sie sich zwischen Klagen und Protesten. Wodurch die Verpflichtung ziemlich eingeschmolzen verbleibt.

Und es geschieht, dass der Respekt, d.h., die dringende Notwendigkeit eines alltäglichen Respekts unter den zusammenlebenden Menschen, nicht mehr fundamental ist, sondern dass sie transzendent ist. Sie ist nicht wichtig, sondern transzendent.

Dafür müssen wir zuhören, sehen… und vor allem müssen wir es verstehen, an dem Ort, der uns zugehörig ist, fortzudauern, damit wir nicht in andere Räume, andere Ebenen einfallen, die anderen Personen, anderen Alternativen zugehörig sind.

 

Und es geschieht, dass mit diesen Einfällen –welche die Minimalen sind- die für gewöhnlich auftauchen, es geschieht, dass es schwierig wird, sehr schwierig(!); die Möglichkeit, in diesem Dasein und alltäglichen Sein, wird unfähig die betenden Anregungen, die vermittelnden Hinweise, die betrachtenden Erlebnisse in sich aufzunehmen.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Der Betende Ruf schlägt uns Impulse hin zur Möglichkeit vor, sich mit der Schöpfung in Einklang zu bringen, hin zur Möglichkeit mit dem Leben zu vibrieren… und uns geliebt zu fühlen –immer schüchterner- und in Folge dessen zu lieben(!)…wir würden sagen, wo wir sind, was wir tun, mit wem wir zusammenleben, mit wem wir planen, wohin wir uns richten…

 

Wir können –und im Allgemeinen ist das etwas, was man zu tun pflegt- den Unangemessenheiten, den Rupturen, den Disputen, den Vorurteilen, den Egoismen, dem Hedonismus, den persönlichen Wichtigkeiten an Wichtigkeit nehmen. Und man zieht[1] ab und man zieht ab und man zieht ihnen so viel Wichtigkeit ab(!), dass sie sich schließlich in WICHTIG verwandeln.

Ja, die persönliche Wichtigkeit, wenn man ihr die Auswirkung abzieht, die den anderen schaden kann; wenn man ihr abzieht und: … „Das macht nichts”; wenn man ihr abzieht: …„a gut, so schlimm ist es nun auch nicht, dass der so ist”; wenn man der Beschwerde, der Forderung abzieht, wenn man seine Fähigkeit der Unbeweglichkeit, unbeweglich zu machen und anzuschuldigen abzieht: … „Der/die ist so, ist nicht so schlimm”; wenn man abzieht, wenn man die Wut, das Leid, seinen Wert und seine Auswirkung auf das Zusammenleben abzieht…: „Kurz und gut, das ist eine Kleinigkeit, das ist nicht wichtig, das ist nicht schlimm”…, dann passieren wahrscheinlich –wahrscheinlich- immer weniger Dinge. Weil  man abzieht, man bei ihm/ihr abzieht und: „Das ist nicht so schlimm[2].“ DAS MACHT NICHTS.

Und na gut, na gut, es ist gut zu ent-dramatisieren. Gut. Aber das Drama existiert und man muss eine Lösung finden.

Es ist gut, sich angesichts der Respektlosigkeit, angesichts des Vergesslichen, angesichts des Verhindernden, dem, was vermieden wird, damit das Wesen keine Verantwortung übernehmen muss nicht zu blockieren.

Und diese Reihenfolge von „Es ist alles erlaubt, nichts ist wichtig, alles ist gut(!), wie es sein soll”, nicht dass das Wesen dann Protagonismus verliert, sondern rein theoretisch –rein theoretisch, eh?- ist es ihm egal, ausgenommen(!)... ausgenommen, wenn seine Interessen betroffen sind, ausgenommen, wenn seine Emotionen, Zuneigungen betroffen sind, ausgenommen, wenn seine Aktivitäten betroffen sind.

D.h., es geht darum, ein Klima „ohne Wichtigkeit” aufrecht zu erhalten, in dem nichts von Bedeutung ist und sich die Eitelkeit ohne Bedenken ausdrückt. Und so verbreiten wir die Vulgarität.

Und angesichts dieser Situation, ohne zu beabsichtigen auf die andere Seite überzugehen von: „Alles ist dramatisch”, dass „alles…” –„die obszönen Radikalismen des Perfektionismus”-, nein, aber die andere Position ist ein bisschen verwaschen. Nein… sie zeigt nicht den Enthusiasmus des Tagesanbruchs! Sie zeigt nicht die Zärtlichkeit des Gesangs des Hahns! Nein, nein, nein… sie zeigt nicht die Leidenschaft für das, was man macht, für die Beschäftigung und das, Schwierigkeiten zu überwinden! Nein, sie zeigt dieses: „Alles ist erlaubt”, diese  Straflosigkeit, dieses „das ist nicht so wichtig”… sie zeigt nicht, sie erlaubt nicht die Entscheidung des Abenteuers(!), das Engagement angesichts der Schwierigkeit(!), sondern vielmehr berappt sie, vermindert sie das Engagement. Die Vorschläge, wofür…? Sollen doch die anderen vorschlagen. Und so laufen die Dinge nicht gut: „Also ich habe das ja nicht vorgeschlagen…!”

Das ist eine Strategie, die sehr… „sehr”  ist. Wir lassen es bei „sehr”.

Aber das zeigt ein gewisses Desinteresse, eine gewisse hingewiesene Unfähigkeit, damit, egal was man auch entscheidet, man das As hat: „Ich habe das nicht entschieden.“

Das Universum gibt sich Mühe, seine Jahreszeiten zu hüten. Das Universum, das Schöpfer Mysterium… gibt sich Mühe darin, um die Konditionen für seine Regenfälle, seine Trockenheiten, seine Feuchtigkeiten zu erhalten. Das Schöpfer Mysterium gibt sich Mühe, uns den Frühling, den Herbst, den Winter, den Sommer zu bringen. Die Erde gibt sich Mühe, uns Früchte zu geben. Sogar… die kleinen Zellorganismen geben sich Mühle, ihre Aufgabe zu erfüllen.

Und wo befindet sich die menschliche Antwort angesichts vo so viel Bemühung? Wo?

Meisten entwickelt sich die Bemühung, um den Wohlstand, den Komfort, die persönliche Entwicklung zu erzeugen. Das Übrige, die Übrigen, ja, sie sind da –ja, sie sind da-, aber sie müssen uns zu Diensten stehen.

Vielleicht ist das sehr übertrieben das zu sagen, nicht wahr(?), aber wie gut wäre es       –nicht wahr(?)-, wenn man immer Recht hätte und die anderen einem zu Diensten stehen würden.

Ja, in dem Maße wie wir jedwede Auswirkung abwerten erleichtern wir, dass es erneut geschieht, weil wir nicht die Antworten abgeben und nicht die Mechanismen entwickeln, damit es nicht noch einmal geschieht..

 

(2 Minuten der Stille)

 

Es passieren auch die Zustände der permanenten Unzufriedenheit –und der Betende Sinn, der Betende Ruf weist uns darauf hin. Die Zustände kontinuierlicher Klage und… des Wiederaufflammens! Diese Zustände der kontinuierlichen Katastrophen… klar(!), in denen die Person –die so ist-, selbstverständlich nicht teilnimmt! Sie sichern sich für gewöhnlich ab –das ist klar-, dass die Verschlechterungen und die Übel, die sich ereignen, Angelegenheiten von anderen sind. Aber sie leisten keine Beiträge, nein. Sie verbleiben in der Analyse der Niederlage des anderen, aber sie machen keine Anregungen, damit  das nicht geschieht oder tragen keine Handlungen oder Aktivitäten bei, um zu verändern.

All das kann uns –vom menschlichen Gesichtspunkt aus, klar- dazu bringen zu sagen: „Wie schwierig ist es doch zu leben! Es ist sehr schwierig! Und in Gemeinschaft noch mehr!” Obwohl alle Wesen in Gemeinschaft leben; die einen von den anderen mehr oder weniger entfernt, aber wir müssen uns treffen… oder im Geschäft oder im  Corte Inglés oder im Passierschein oder beim Spaziergang oder in der Bar. Sogar der größte Individualist und Beachtender seiner Intimität bedarf der Kommunion, der Kommunikation der Umgebung, der Gemeinsamkeit mit ihr. Und er wird sich in Beziehung setzen müssen.

Wenn wir uns das Universum genau ansehen dann bemerken wir, dass die unterschiedlichen Aktivitäten, die wir mit unserer Wissenschaft beschreiben können, sich… sich gut vertragen! Es ist nicht schwer! Es ist nicht der Slogan, den wir gerade gehört haben: „Wie schwierig ist es zu leben!” Wie schwierig machen wir es zu leben(!), wenn jeder Einzelne der König sein möchte, wenn jeder Einzelne die Sonne sein möchte, wenn jeder Einzelne „Seins“ fordern möchte.

Was ist „Seins”?

 

Dort ist es, wann es schwierig wird zu leben. Klar! Sehr schwierig! Weil man in einen permanenten Konkurrenzkampf und Verteidigung von Erfolgen und von persönlichen Wichtigkeiten eintritt. Demnach… sehr schwierig!

Zu leben wird so schwierig, dass es sich in ein Martyrium verwandelt. Unglaublich, nicht? Und dabei ist es so, dass das Schöpfer Mysterium das Leben als Ausdruck der Liebe entwickelt und erzeugt. Und als solches erfreut sich das Geliebte, das Verliebte, das Liebende einer guten Gesundheit. Das ist ein brillanter Moment, aber nicht einmal das! Oder sehr wenig. Weil immer der Kommentar, die halbe Spitze und viertel Spitze und das „Fragelchen“ und… da sein werden. Wie schrecklich!

Nein… –sagt uns der Betende Ruf- nein, es ist nicht schwer zu leben. Das Wesen ist dotiert mit Ressourcen von unendlicher Präsenz, einer Befähigung, seine Handlung „zu kreativieren“, seinen Prozess zu idealisieren, sich um das Schwache zu kümmern, es stark zu machen(!), die Leidenschaften zu kanalisieren, sie brillant zu machen(!), sich  über das Wohl des anderen zu freuen…(!) und sich in der Kunst zu kultivieren!

Nein, es ist nicht schwer. Wenn wir es sehen und es leben und gewiss, die Gesellschaften werden schwierig(!), dann ist es deswegen, weil jeder einzeln danach strebt, die anderen zu überzeugen, zu dominieren und zu kontrollieren. Es wird ein Streit erreicht… der bereits seit langer Zeit im menschlichen Wesen eingeführt wurde.

Solange dieser Streit andauert, wird das Zuhören des Betenden Rufs zweifellos            –„zweifellos”- zaghaft, mangelhaft sein, wird die Auswirkung des Protests überwiegen, die Forderung von „Meinem“… Uff!

 

Ja, es stimmt, das Panorama kann sich als erschütternd erweisen: ohne Sonne! Dunkel! Wohl wissend um unsere Aussteuer, unser Leuchten, unser Wachen um dieses Leuchten –was uns der Betende Sinn sagt-, dass uns die Schöpfung anbietet, also da ist es nicht furchtbar und schwierig, sondern man findet und wir treffen auf Wesen –wenige(!)-, die sich idealisieren, die sich verpflichten, die sich lieben, die sich entwickeln, die sich fördern(!), die aus der Wache einen Zauber und aus der Dunkelheit der Nacht eine gefällige Meditation machen.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Jeder Scheideweg, jeder anscheinende Beginn –der ein Verstreichen ist- bietet uns als Tagesanbruch die Gelegenheit, das Heute und das Morgen besser zu machen. Es besser zu machen, durch die Güte, die auf uns einprasselt. Und sie durch die Ressourcen und Aussteuer, die wir haben, besser zu machen.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Wir sollten erlauben, die virtuellen Anfänge zu verzieren.

Wir sollten erlauben, die Antworten zu vergrößern.

Wir sollten eine Ansammlung der besten Intention machen, mit dem minimalen Vorwurf, zum Zeitpunkt uns zu trainieren.

In der Lage zu sein, die Handlung des anderen zu bewundern. Und diese Brillanz zu teilen.

Sich nicht durch die ersten, zweiten oder dritten Unbequemlichkeiten umstürzen zu lassen.

Sich in dem permanenten Kommentar, der Öffnung und dem Dialog zu befinden, um die Missverständnisse zu klären, die verworrenen Vorschläge, die halben „Ja’s“.

Der Betende Sinn, der Ruf optimiert immer: er tröstet, er erleichtert, er beruhigt, er lindert, er erheitert… „Er pflegt.”

Und in dem Maße wie wir ihn in unser Dasein aufnehmen, werden wir zu Universum, werden wir zu diesem Mikrokosmos, der in Harmonie der Schöpfung erwidert.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Auf dass das Amen-Amén… ein solidarischer, erfrischender, neuheitlicher(!), kreativer,  bereiter(!), disponibler, großzügiger(g), optimistischerglücklicher Anstoß sei.

 

Auf dass man nicht erlaubt, irgendeine von diesen Qualitäten zu verwirren, weder aus irgendeiner eigenen Eitelkeit heraus, noch einer fremden oder von anderen.

 

 

 

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[1] Im Sinne von subtrahieren

[2] Im Originaltext heißt es: „No pasa nada.“ Wortwörtlich übersetzt müsste es heißen: „Es passiert nichts.“