Es gibt noch etwas anderes

 

BETENDER RUF

20.09.2019

 

(4:30 Minuten  der Stille)

 

Und die Spezies wurde vielzählig; sie entdeckte sich vorherrschend; sie dehnte sich bis dahin aus, bis wohin sie wollte. Alles schien bereit, ihr zu dienen.

Und die Spezies diente sich, aber… unter der Vormundschaft der Herrschaft, der Kontrolle, der Manipulation, der Gewalt … –in Gedanken, in Worten, in Werken, in Unterlassungen. Und bediente sich und nannte sich „intelligent”, und der nannte sich „weise“.

Und er hörte sich selbst zu. Und er sah sich mächtig. Mächtig aufgrund seiner Fähigkeit mit dem Denken, mit den Worten, mit den Handlungen, mit den Unterlassungen zu zerstören.

Und jedes Wesen hatte die Befugnis, den anderen seiner eigenen Spezies zu ruinieren!

Es wurden Grenzen gebaut, um die Mächte zu verteilen. Es wurden Systeme von Verbänden aufgestellt, um die Herrschaft „zu vereinfachen”: Familien, Staaten, Regierungen, Heere …

Und zunehmend verteidigte jeder Einzelne(!) „das Seine“, weil er es in einem Krieg gewonnen hatte.

Jeder Einzelne fühlte sich als Besitzer von… zumindest –zumindest(!)- sich selbst. Er besaß sich. Aber für gewöhnlich besaß er andere. Nur spärlich teilte er. Nur wenig lebte er zusammen!

 

Die einen benannten die anderen mit den adäquatesten Beleidigungen, um zu konkurrieren, um zu versuchen zu demütigen und zu bestrafen.

Die Falle der Lüge wurde vorherrschend und kündigte Freiheiten(!) an, indem sie Individualitäten propagierte und ankündigte. Und das ergab…, so gab sich jeder Einzelne die Möglichkeit, Richter zu sein, und verurteilen, richten, bestrafen zu können…

Aaaachh! Und jene, die glaubten, dass sie doch so frei lebten, aber sobald sie ihr Fühlen ausübten, wurden sie sehr bald unterdrückt, abgesondert, beleidigt.

Eine charakteristische Art und Weise sich in den Freiheiten zu üben waren die Geschmäcker (span. ‚gustos‘): „Das mag ich.” (span. ‚me gusta‘). „Das mag ich nicht.“ (span. ‚no me gusta’) „Das mag ich.” „Das mag ich nicht…”

So als ob keine anderen Sinne existieren würden.

Aaach! Aber gleichzeitig –ach, gleichzeitig(!)-… gleichzeitig schwang jeder Unterdrücker seine Spitzfindigkeiten und seine Kriterien, um Alliierte zu fordern. Und um so mächtiger zu sein. Und aus dem „ich mag das” und „ich mag das nicht oder ich mag das” ging man zu Vorlieben (span. ‚querencia‘) über: „Ich will das, ich will das andere. Das will ich nicht, ich will das andere nicht.” Und das wurde als Freiheiten interpretiert. Aaachh...!

Nein, nein, nein. Man hörte nicht die Nachrichten der Farben des Himmels, des Donners, des Sandes, wenn er betreten wurde, der Blumen, eines jeden Wesens, das… na gut(!) „lebendig“ genannt werden kann, aber es war nur ein Sklave, ein Konsumgut.

 

Aber vielleicht, so als ob er (der Mensch) bemerken würde –ja, sicherlich-… so als ob er den Zusammenstoß, der sich systematisch ergab, bemerken würde –die Großen über die Kleinen, die Älteren über die Jüngeren, die Wichtigen über die Unwissenden und eine lange Liste von Imperien-, ja, so als würde er bemerken, dass, vielleicht… -hey, vielleicht(?)- wandte sich dieser zerstörende Strudel bereits gegen sich selbst, hatte die Spezies bereits kein Interesse mehr, den Hund, die Katze, den Tiger, den Löwen zu kontrollieren. Es waren schon alle domestiziert: die Gladiole, die Rose, der Weizen, der Roggen… Alle waren bereits vorschriftsmäßig kontrolliert. Und auf dieser Basis bestand das dringende Interesse, Herden von Anhängern oder… Sklaven aufzustellen(!), die angesichts der Offensichtlichkeit der Macht des einen oder der anderen, der Tendenzen des einen oder von einigen, dienten.

Und so verteilte man nach und nach die genossenen Modelle der Macht, die ihrerseits –das ist klar- die Erpressung nutzten, um in denen, die nach mehr trachteten, Mitleid zu erwecken und damit sogar darauf verzichteten, Sklaven zu sein, um Hypersklaven zu sein, damit der Herr nicht ärgerlich würde.

Freiheit…? Wo?

Vielleicht, vielleicht, da er sich sehr als Herrscher, als Kontrolleur, als Befürworter der Sklaverei sah, da bemerkte er eines Tages –eines Tages(?)-, an irgendeinem Tag-, dass es… vielleicht –vielleicht, eh(?)- noch etwas mehr als seine Spezies gab, die bereits etikettiert (span. ‚rotulado‘), bereits kaputt (span. ‚rota’) war, die aufgrund ihrer Interessen, ihrer Geschmäcker und ihrer Vorlieben bereits gebrochen war.

 

Aber die Spezies… lebte! Und in Folge dessen hatte der Schmerz als Sklave, auch wenn er sich bald in genussvoll verwandelte, in genussvoll masochistisch, trotzdem gab es hinten und vorne und rechts und links die Notwendigkeit, einen bestimmten Bereich zu haben, auch wenn er klein war...! Zumindest führen können und eine Gruppe von Ameisen unter seiner Leitung zu haben, die man töten oder kochen oder essen konnte.

Aber vielleicht, vielleicht kam man wegen all dem dazu zu denken –man kam dazu zu denken, eh(?)- dass es noch jemanden mehr gab!

„Jemanden mehr…?”

Und jeder einzelne sagte sich: „Noch jemand mehr als mich? Jemand mehr als mich, den sie ehren müssen, der oder jener oder der andere…?”

Derjenige, der mehr oder weniger seine kleinen großen Sklavereien beschrieb, beschrieb seine… Karenzen. Nicht alles war beherrscht und jeder einzelne wurde schon dominiert.

Und sodass er… in Anbetracht dessen die Pflanzen, die Tiere, die Erde, den Himmel, die vor ihm, die hinter ihm, seinesgleichen um Hilfe zu bitten, nicht…

Oh…! Sicherlich könnte es noch jemand Mächtigeres geben! Sicherlich könnte man bitten… SEINE Hilfe erbitten, SEINE Fürsprache fordern!

Ja, man musste… man musste irgendeine… Falle schaffen…. oder einen Trost…. schaffen?

Ahhh! Ja! Damit sich auf diese Art und Weise die Beschwerde eines jeden einzelnen nicht gegen den Dominierenden wandte und sie dann statt dessen „das Mächtige”, „das Große”: „Gott“ um Hilfe bitten würden.

Ah…! Das war gar keine schlechte Idee.

Ein Balsam für den Unterdrückten, für den Verfolgten, für den Verurteilten, für den Bestraften. Ein Balsam für den Sklaven. Auch ein Balsam der Rechtfertigung für den Mächtigen, der in SEINEM Namen handeln konnte…!

Der Erfolg der Idee war so sehr so, dass sich einige zu Göttern ernannten, zumindest ernannt durch… durch sie selbst: durch die Götter. Angesichts dessen war jedwede Schande gerechtfertigt.

Die Religionen kamen, um sich mit den Mächtigen zusammenzutun, klar und sie wurden mächtig. Aber sie waren der ideale Balsam, um… die Macht des Vaters über den Sohn aufrecht zu erhalten, die Macht der Familie über die anderen, die Macht einer Gruppe über die anderen, die Macht…

Jeder Einzelne hatte ein Alibi. „Im Namen Gottes”, klar!

 

Ja. Dieser Betende Ruf verweist uns mit wenigen Federstrichen auf den Zustand, in dem sich unsere Menschheit entwickelt und vorfindet. Und es ist übrigens nicht unsere. Es gibt „nichts“, was uns gehören würde.

Ja. Der Betende Sinne, der Betende Ruf… ruft uns zur Wahrnehmung unseres Wesens und Daseins, um uns zu offenbaren –als Warnung-, dass das Weitermachen in diesem Sinne… Unheil bringend für uns ist. Es macht uns zum Raubvogel. Es macht uns zu Inquisitoren… taub gegenüber jedwedem anderen Ruf, der nicht der Eigene ist.

Der Betende Sinn fordert unsere Teilhabe darin, uns als lebende Gemeinschaft zu entdecken und uns bezüglich unserer Verhaltensweisen und Art und Weisen zu warnen, wohl wissend, dass das da noch etwas Anderes ist…! Und dieses „etwas Andere” drückt sich aus! Und es drückt sich betend aus…!

Das Gebet sagt: „Im Namen Gottes vertraue ich…”

Abgesehen von dem Unpassenden dieses Sinnspruchs, da wir SEINEN Namen nicht kennen, –ER benötigt keinen Namen, ER ist ein unergründliches Mysterium-, wenn sich das Wesen einfach bewusst wird, indem es die Sterne ansieht oder den Duft der Silhouette einer Blume kontempliert –ja: den Duft kontemplieren, den Eindruck kontemplieren, den ich angesichts dieses Duftes spüre-…, wenn ich für einen Moment überrascht bin, indem ich die Schönheit eines Tagesanbruchs preise, oder wenn mich die Sterne vor Freude ganz aus dem Häuschen bringen, und wenn ich mich in einem Versehen unnütz, unfähig, insolvent fühle…(!), dann werde ich mich ganz schnell erholen… man muss die mächtige Figur erhalten. Aber wenn er weiterhin die Sterne anschaut und die Schönheit spürt, wird er deren Kraft spüren und schmelzen!

 

Es gibt noch etwas anderes.

 

Wegen dem der Macht und des Vertrauens, es gibt „jemand” anderes!

Was für ein Hochmut!

 

Durch die Hilfe, die wir benötigen, durch die Ungerechtigkeit, in die sich das Wesen positioniert hat, rufen SIE uns zum Beten.

SIE rufen uns zum Beten, wissend, dass die Hilfe notwendig ist. Und in Folge dessen ist die Verwandlung unumgänglich.

Ja, eine Konversation einer Spezies eines vorherrschenden ‚Maskulinismus’, der sich in etwas Faltbares, Fügsames, unterworfenes, Bescheidenes und einen Diener verwandelt.

Ist das viel…?

Weniger ist unzulässig.

 

Und wenn man Schwierigkeiten hat, um zu wissen, dass es „noch etwas anderes gibt” –zu wissen im Sinne es zu fühlen- und dass die Hilfe dringend notwendig ist… werden denn etwa nicht wundersamer Weise, konstant, Vorsehungen, Mitleid, Barmherzigkeiten, Erbarmen ausgeschüttet…?

Man muss nur ein bisschen –ein bisschen(!)- hinschauen, um zu bemerken, dass sich diese Aufenthalte dort befinden.

Vielleicht schafft man es aufgrund ihrer Unermesslichkeit nicht, sie zu sehen. Und wir können sogar denken, dass wir es sind, die… Mitleid, Barmherzigkeit, Güte… ausüben…

Dort… dort –ach(!)- befindet sich das unergründliche Mysterium, das Schöpfer Mysterium, das uns mit SEINEM Gebet ruft, das „uns unsere Situation offensichtlich macht”, gleichzeitig wie es uns angesichts der Wahrnehmung SEINER Gegenwart belebt.

 

 

***