Sich dem Leben widmen

 

BETENDER RUF

 

(5 Minuten der Stille)

 

Die Schöpfung in seinem Mysterium widmet sich „unter anderem” dem, das LEBEN zu erhalten.

Und innerhalb unserer Unwissenheit in Bezug auf das Leben –da wir in der Lage sind, Aspekte zu beschreiben, aber seine wahrhafte Essenz, die kennen wir nicht, weil sich sein Ursprung an den Grenzen der Zeitlosigkeit verliert-, wem oder was widmen wir das Leben(?) –von dem wir bereits wissen, dass es nicht unseres ist, dass es „nicht meins ist“.

Wem oder was…?

So wie wenn gefragt wird… „Wem oder was widmen Sie die Freizeit? Wem oder was widmen Sie den Arbeitstag…?” Welche ist unsere Hingabe als lebende Wesen? Ohne  richtig zu wissen, was das Leben ist –na gut, „sehr gut”, ohne zu wissen, was das Leben ist.

Aber wir leben! Zumindest ist das das Bewusstsein, das wir haben… wenn wir uns im Wachzustand befinden –wenn wir wach sind, klar(!). Wenn wir schlafen, dann bezeugen andere, dass wir leben.

Wem oder was…? Wem…? Weil es auch eine Widmung sein könnte: „Wem widmen Sie ihr Leben?” So wie der, der ein Buch schreibt: „Dieses Buch widme ich…”

Und tatsächlich fragen sie: „Wem oder was widmen Sie sich?” –als Leben. „Welche ist Ihre Beschäftigung(?)” –in Bezug auf ihr Leben.

 

Wenn wir unseren Blick ein bisschen auf unsere Worte richten –selbstverständlich wird man in anderen den Blick auf andere Aspekte werfen müssen-, DE[1] ist sich geben span. ‚darse‘), DI ist sagen (span. ‚decir’) und CARSE… könnte die Handlung zu „tun” sein.

Könnten wir in diesem Wort (dedicarse) einen Teil der adäquaten Antwort in Bezug auf –„Wem oder was? Was, in  welcher Form widmen sie das Leben?”- finden?

So könnten wir sagen, das im paradiesischen Zustand –irgendwie so etwas, vom betenden Gesichtspunkt aus, verwickelt mit Worten der Kabbala-…. könnten wir sagen, dass mich zu geben (span. ‚a darme’) in Hinblick auf mich anzubieten, im Hinblick darauf zu dienen, darauf, das Wort oder die Körpersprache oder die Gestik einzusetzen: mich zu erkennen zu geben und zu tun. Mit den Ressourcen und Mitteln zu tun, über die ich verfüge, gemäß meiner Kreativität, gemäß meiner Befähigung.

 

Sich geben, sich anbieten, dienen, sich ausdrücken, sich zeigen, sich zu erkennen geben… und tun.

Das bedeutet, dass wir jeden Tag in diesem einfachen… kleinen Puzzle anfangen könnten –jeden Tag oder in jedwedem Moment des Tages-, uns zu geben: Geben Sie sich dem hin, was von Ihnen benötigt wird, was erforderlich ist, dem, um was man Sie bittet.

Drücken Sie sich aus und setzen sie das Wort als Element der Hilfe ein. Drücken Sie sich gemäß der Notwendigkeit aus.

Und tun Sie. Tun Sie in jedwedem Prozess aktiv oder passiv in dem Maße, wie man es von Ihnen beansprucht.

 

Also hätten wir dann schon, wenn jemand zu uns sagt: „Ach! Sehen Sie mal, ich weiß nicht, was ich mit meinem Leben tun soll”… –und das kommt oft vor, dass man das zu uns sagt: „Ich weiß nicht, was ich mit dem Leben tun soll”-, also dann könnten wir sagen:

- Ah! Also ich weiß sehr wohl, was man mit dem Leben machen kann.

- Ja?

- Ja, ja: Widmen Sie sich ihm.

Wie kann man sich dem Leben widmen?

Also indem man sich gibt, sich anbietet, dient… einerseits.

Andererseits, sich zu erkennen geben, die adäquaten Worte einsetzen und mit der Gestik im Verhalten, im Fühlen und im Denken zeigen, wer ich bin und was ich mache und was ich fühle.

Und ganz konkret… realisieren, tun, im Präsenz Indikativ.

Weil man uns das sicherlich häufig gesagt hat: „Also ich weiß nicht, was ich mit meinem Leben tun soll!”

Und wir haben so ein bisschen geschwiegen, nicht?

- Na gut… Mit dem Leben muss man nichts machen. Man muss es leben.

- Ja, schon, aber wie soll ich es leben? Irgendwelche Instruktionen.

 

Jetzt haben wir drei Instruktionen.

Klar, die Person, die diese Frage stellt, bittet noch um mehr oder findet bei diesen drei Facetten irgendwelche Schwachstellen.

Aber was wir in der Folge werden sagen können ist, dass „sich das Leben dem widmet zu leben.”

Na gut. Auch wenn wir nicht den Ursprung, die Entwicklung und die Evolution des Lebens kennen und wir einige Kriterien haben, aber immer sehr begrenzte, müssen wir schon klar haben, dass… ein außerordentliches Ereignis sich widmete und sich widmet…. Und sich dem widmet, das Leben zu erhalten.

Und nach diesem Ebenbild müssen wir unser Leben widmen.

Von daher die Wichtigkeit unseres Lebenssinns, von daher die Wichtigkeit unserer Berufung, von daher die Wichtigkeit unserer Teilhabe.

 

Mit diesem kleinen Thermometer…

Und wir können andere subtilere Fähigkeiten entwickeln, aber nach Möglichkeit sollten Sie nicht aufhören, diese drei Facetten zu erfüllen. Weil außerdem diese drei Facetten im Allgemeinen am Leben teilhaben… und selbstverständlich in dem persönlichen Leben.

Wenn wir diesen drei Facetten nicht nur eine vierte, sondern eine erste Facette beifügen: nämlich, dass es eine sich widmende Intention gibt, damit das Leben erhalten wird –wir werden es so nennen-… und wenn wir gleichzeitig annehmen, was es bedeutet, sich zu widmen und wer sich widmet und wem oder was wir uns widmen können…, dann werden wir wirklich nicht alleine sein, wir werden nicht traurig sein, wir werden nicht willenlos sein oder apathisch, wir werden nicht verzweifelt sein.

 

Uns als Teilhabende einer Universellen Widmung fühlen… ist wirklich zum Staunen: dass uns ein unzugängliches Mysterium seine Aufmerksamkeit schenkt, damit wir da sind und das uns obendrein erlaubt, dass wir uns widmen können.

Auf einer anderen Ebene, wenn man mit dem rechnet, was man aus einer Widmung heraus schon erledigt hat… dann ist das wirklich überraschend, nicht(?),  dass SIE, das ES…. Plural, Singular, buff(!)- unter anderem soviel Vertrauen und soviel Glauben unter uns, in uns haben(¡)!, um uns zu erlauben uns dem zu widmen zu leben…! Und SIE geben uns Hinweise, wie wir es machen sollen.

Gewiss kann man sehr leicht diesen Satz des Zenturio verstehen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter meinem Dach, aber nur ein Wort genügt, um…”

Und SIE gaben uns die Gabe des Wortes.

 

Nein, nein, wir können nicht enttäuschen… Meine Worte, meine Dienste, meine „Verrichtungen” werden durch eine Widmung verbürgt… Ich kann keine Enttäuschung sein!

Die Investition ist viel zu groß, die das Schöpfer Mysterium in jeden Einzelnen von uns macht!

 

Sodass diejenigen, die das „Glück” haben von der Stille aus, das Wort gehört zu haben, es gefühlt zu haben(!)...und in Folge dessen die dringende Notwendigkeit haben, sich dem Leben zu widmen…(!) –und mehr noch jene, wegen des Privilegs, das sie schmückt- also nein, jene können nicht enttäuschen.

 

 

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[1][1] Im Spanischen heißt sich widmen „decidcarse”. Im folgenden Text nimmt der Maestro verschiedene Wortteile heraus und interpretiert sie unter dem Aspekt der Kabbala.