BETENDER RUF

 

(5 Minuten der Stille)

 

Vielleicht ist die Mehrheit der Personen der zivilisierten Welt nicht sehr mit dem Leben, das sie führen, einverstanden.

Sicherlich sind sie in ihrem Bereich der Arbeit, der Zuneigungen, der Projekte, der Vorschläge… nicht sehr zufrieden.

Es gibt –um es so zu sagen- eine unterirdische Abneigung, die sich manchmal als ein Protest ausdrückt und andere Male als „Normalität“ verschwiegen wird… vielleicht weil gedacht wird, dass „das Leben so ist“.

 

Der Betende Sinn von heute weist –im Prinzip- auf zwei Details hin:

Das erste ist, dass „das Leben ist so” –oder in anderer Form-… und in diesem  „so sein” nehmen die teil, die in der Mehrheit widerstrebend, in Disharmonie leben. Auch sie haben diesen Wandteppich, dieses feine Sieb, diesen Boden der Unzufriedenheit  gebildet.  

Damit wird beabsichtigt zu akzeptieren, dass zumindest ein Teil vom Wesen selbst abhängt und dass es –um es so zu sagen- einige „einige“ Klagen verhindern könnte.

Die zweite betende Warnung ist, dass in diesem Zustand zu leben,  normalerweise Schuldige gesucht werden, abgesehen davon, dass die persönliche Teilhabe nicht anerkannt wird. Und immer findet man sie. Es können große Schuldige wie der Staat, die Regierung, der Premierminister sein… oder es können kleine Schuldige sein, so wie die Familie, die Freunde, die Ehemänner, die Ehefrauen, die Bekannten …

 

Wie wir folgern können, dass zwischen Schuldigen und dem, sich nicht als Teilhaber dieser Situation zu erkennen die Möglichkeit, dass diese Wahrnehmung verbittert, verärgert zu sein, verschwindet, sehr schwer ist. Weil man nicht allen Schuldigen ein Ende setzen kann. Es sind viele. Was das endgültige…. Resultat wäre.

Und andererseits erkennt man nicht, was man zu dieser Situation der Apathie, der Verzweiflung oder…. beiträgt.  Das hat vielzählige Namen. Vielleicht wäre es „Lieblosigkeit zu leben”.

 

Wenn wir uns fragen, warum das geschieht, entdecken wir, dass man uns erzogen hat, uns ausgebildet und uns animiert hat, die Welt nach unserem Geschmack zu machen, nach unserer Art und Weise. Und gewiss, in dem Maße wie es weder Verpflichtungen noch Hingabe gab…, fanden die Dinge gemäß dem statt, wie jemand es –anscheinend- wollte. Das animierte das Wesen, die Welt nach seinem Ebenbild zu machen.

 

Aber nach und nach „widersetzte” sich die sogenannte „Welt” dem, gemäß der Laune eines jeden Einzelnen behandelt zu werden.

Und dort ist es, wo nach und nach die Schuldigen auftauchen… Und das Bewusstsein, dass mein Projekt besser ist und ich keinerlei Verantwortung habe, keinerlei Teilhabe an dieser Situation.

In diesem Moment bemerkt jeder Einzelne nicht –was die Mehrheit ist- ein Detail, das wichtig ist und das ist, dass wahrscheinlich… es ist mehr als wahrscheinlich, dass gemäß der Anderen er der Schuldige ist. Ahhh! Das heißt, dass „der beschuldigte- Schuldige”, derjenige, der dachte, dass die Schuld das hatte oder jenes und das Andere, also da ist es so, dass für die Anderen die Schuld an dem und jenem du hast.

Das pflegt man für gewöhnlich zu sehen.

 

Und der Betende Sinn fragt sich… und fragt den „permanent nicht Einverstandenen”:

„Wo war die Schöpfung, wo war das Mysterium, wo war Gott, als Du permanent verzweifelt warst…?

Dachtest Du, dass ER –schuldiger Weise, klar- vielleicht irgendetwas in diesem ganzen Prozess damit zu tun gehabt haben könnten?”

Oder besser noch:

„Glaubst Du, dass das Schöpfer Mysterium etwas mit all diesen Desastern zu tun hat, die Dir passieren? Überlastung, Beklemmungen, Ängste, Wut…” –Buau(!)-.

Wenn man von der Kontaminierung spricht, dann lässt man für gewöhnlich die existentielle Kontaminierung weg.

 

Und worin würde sich die Situation verändern, wenn man diese dritte Variable berücksichtigen würde: das Göttliche, das Schöpferischer? Worin würde sie sich verändern?

In allem.

Aber wie wird ein entschiedener Wirkender –gemäß seines permanente Willens und gemäß des Kriteriums von Schuldigen- billigen… wie wird er da etwas billigen, das über ihm steht?

Das ist eine kleine Schwierigkeit.

 

Wenn wir betrachten… –das ist die betende Anregung- wenn wir all unser Dasein betrachten… ohne Absicht von Protagonismus, werden wir sicherlich bemerken, dass alles geformt hat, damit es uns so geht. Und dass wahrscheinlich unsere Teilhabe… sagen wir mal… minimal ist…; in dem Fall wäre es logisch zu denken, dass sich die Last, das Leid, die Wut, die man hat... auflösen wird, da das nicht etwas ist, was durch andere, durch mich hervorgebracht wurde, sondern dass es etwas ist, was sich mysteriöser Weise ergibt und dem ich im Leben die Stirn bieten muss mit dem Erkennen… dass es eine… der Unsrigen überlegene Intervention ist. Unter „Höher” ist nicht ein Wesen zu verstehen –wie man selbst-, das mehr Kraft hat, sondern ein Mysterium, das unsere Leben in eine mysteriöse Richtung hin führen kann.

Lassen Sie uns das einmal ansehen:  Weiß das Kind, wenn es anfängt zu laufen, welche Hosen man ihm kaufen wird? Weiß es, in welcher Straße es lebt? Weiß das Kind, während es wächst, warum man ihm dieses oder jenes beibringt? Versteht das Kind, was das Fernsehen sagt oder macht es sich eine Vorstellung über die Diskussion zwischen den Eltern?

Versteht das Kind tatsächlich etwas von dem, was passiert?

Nein.

Also wenn wir das ins Verhältnis setzen, in dem Maße, wie wir uns entwickeln         –und hier kommt ein Problem- „und wir glauben zu wissen”, ist unsere Position ähnlich der eines Kindes.

Wir wissen nicht.

 

Und für gewöhnlich entwickelt sich das Wesen in seinem Ghetto der Zuneigung, des Spirituellen, der religiösen Moral… Alles sind Bedingungen(!)... die nicht wissen und die eine Art und Weise des Daseins kreieren.

Aber ist das die Form da zu sein…?

Es ist ähnlich dem Kind, das weint und wütend wird, wenn es nicht das bekommt, was es will… oder dass es immer Süßes essen oder naschen will. Und seine Welt reduziert sich auf den Ball, auf essen und schlafen…

Im Verhältnis befindet sich der Erwachsene in ähnlichen… wir würden sagen, „in schlimmeren Umständen“. Weil das Kind evolutionieren wird und etwas mehr sein wird. Aber der bereits aufgestellte Erwachsene –aufgestellte(!)- sieht nicht mehr, er evolutioniert nicht. Er lässt kein weiteres als sein Kriterium zu. Und kein „Nützlicher” –Philosoph, Animist, Spiritueller-… kein Nützlicher nützt ihm. Er benutzt –er benutzt sie- diese Nützlichen, aber… ohne den ausreichenden Glauben. Er hört ihnen einen Moment zu, aber dann kehrt er zu seinen Interessen zurück.

 

 

Und wenn wir unter dem Betenden Sinn die Schuldigen auflösen?

Und wenn wir unsere winzige Präsenz erkennen und… irgendeine Verantwortung?

Und wenn wir die frische Luft der Schöpfung reinlassen würden… und wir das, was als ein Mysterium verläuft, akzeptieren würden… und wir mit dem vitalen Hauch handeln würden, den uns jede Ressource, jedes Mittel, jedes Ambiente gibt?

 

Und man müsste ein anderes Detail beifügen: Und wenn das Wesen sich trauen würde, um Hilfe zu bitten…?

Selbstverständlich keine anspruchsvolle, keine klagende Hilfe, keine egoistische Hilfe…

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Die Spezies Menschheit atmet sehnsuchtsvoll, jeder Einzelne sucht nach seiner Notwendigkeit, indem er versucht, seinen Willen aufzuzwingen, indem er kontinuierlich mit anderem Willen zusammenprallt.

 

Die menschliche Spezies hat sich im Allgemeinen geweigert anzunehmen, dass sie eine Präsenz im Universum ist, die der Schöpfung angehört, die durch eine unbekannte Instanz erhalten und unterhalten wird… die wir aber gut betend, meditierend oder kontemplierend wahrnehmen könnten.

Deswegen sollte man infolgedessen, abgesehen von den Schuldigen und der eigenen Verantwortung, andere Beteiligungen berücksichtigen.

 

(4:30 Minuten der Stille)

 

Zwischen den Destruktiven, Schuldigen und Angstvollen… –zwischen ihnen- gibt es eine erfreuliche, befreiende Vibration.

Die Schöpfung deutet sich… mitfühlend an.

Sie macht das unter dem Schleier des Zufalls, der kleinen Überraschung, dem Detail der Schönheit, der freudigen Geschichte… Sie bedient sich dessen, was da ist, um den Ungläubigen, den Egoisten, den Hedonisten, den Hochmütigen, den Eitlen, den Selbstverherrlichenden neu zu erstellen…

 

(4 Minuten der Stille)

 

Wir sollten uns ohne Arroganz vor… die Brise stellen, welche die Federn bewegt, vor das Licht, das zwischen den Ritzen durchkommt, vor die Klänge, die sich zwischen unseren Worten durschmuggeln.

 

Lassen Sie zu, dass wir durch das Mitleid des Ewigen entdeckt werden.

 

 

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