Es gibt keine Einsamkeit, sondern eine unendliche Begleitung

 

BETENDER RUF

 

Bei Gelegenheit haben wir über den Sinn gebetet, über: „Ich bin nicht von mir.“ Da ich nicht von mir bin, gehöre ich mir nicht: „Mein Leben ist nicht meins.“ Und davon, dass mein Leben nicht meins ist, und dass ich es in dem Sinne, wenn ich es lebe, wie man es lebt –nämlich als „meins”- , dass ich das Leben dann ersticke.

Und es scheint –„es scheint”- dass, da es mir nicht gehört…, man das Risiko eingeht, in die unendliche Einsamkeit…einzutreten.

Aber es taucht… es taucht dieser Sinn des Verlustes(!) auf, obwohl es doch so ist, dass es nicht mein Leben ist.

Ja, wie man auszudrücken pflegt: „Ich habe mein Leben verloren.“ „Er/sie verlor das Leben… etc.”

 

Und es geschieht… und es geschieht, dass es sehr wohl häufig so ist, dass das Wesen sich am Boden zerstört fühlt (span. ‚desolado‘!), alleine (span. ‚solo’!) fühlt… Selbstverständlich lehnen wir uns weit aus dem Fenster, wenn wir sagen, dass das Folgen des „Hochmuts“ sind…

Weil es nichts verloren hat. Man hat in ihm die Vorstellung geschaffen, dass es sein Leben sei. Und wenn es entdeckt, dass es nicht so ist, dann glaubt es, dass es etwas verloren hat. Und es hat nichts verloren! Es hat gewonnen!

Es (das Wesen) hat Offensichtlichkeiten gewonnen. Es hat Ausdehnungen gewonnen. Es hat Wahrnehmungen gewonnen. Aber sie gehören ihm nicht... Wodurch es sich losgelöst hat von… dem Joch der Possession, der Überwachung, der mürrischen Vorgehensweise des angehäuften Ersparten(!)  –und ein langes et cetera, Produkt der Possession.

Aber ja(!) für Momente taucht am Horizont die Ein-samkeit auf.

Denn weil wir an die Possession gewöhnt sind, gewöhnt an „das Meine”, und da wir aus einem Mysterium hervorgehen, da wir aus einer unendlichen Herkunft kommen fällt es uns schwer, diese zu erfassen und für Momente fällt es uns noch schwerer, sie besitzen, ordnen oder bitten zu wollen…!

„Frechheit.”

 

Wir müssten… wir müssten in Bezug darauf zu leben so sein wie dieses Elefantenbaby, das sich immer an die Innenseite der Oberschenkel der Mutter annähert, das sich zerbrechlich fühlt, das sich zart fühlt…

Man müsste so sein wie das Junge des Buckelwals, das Monate und Monate um seine Mutter herum verbleibt, schwimmend, sich ernährend, sich reibend, tollend… und sich dabei der Abstammung bewusst werdend. Und nicht… und nicht im Missverhältnis handeln und machen, so als wären wir gefangen…!

Wir sind gefangen, wenn wir uns besitzen. Und wir sind Gefängniswärter und Gefangene zugleich. Gleichzeitig!

Wenn wir diese Fiktion der Macht und der Herrschaft abstreifen, die durch das Wesen selbst erzeugt wurde und wenn wir uns der Dimension der Klarheit –wachsenden Klarheit- öffnen, haben wir keine Angst wegen des verlassen Seins…

Wir waren niemals alleine.

Wir sollten keine Angst vor der Einsamkeit haben. Das sind Anzeichen der Selbstverherrlichung.

Wir sollten vielmehr… die Eindrücke jener wahrnehmen, die uns umgeben, jener Wesen des Lebens, die uns umwerben.

 

Wir sollten uns der Landschaft, des Duftes, des Geschmacks, des Klangs, des Taktes bewusst werden…

Warum wurden wir mit diesen Sinnen geschmückt?

Um uns mit ihnen in das Nebulöse der Schöpfung einhüllen zu können.

Um eine Entführung zu sein(!)… aus Rauch, der sich vorschnell in seiner Flucht auflöst.

 

Das Joch zu verlieren, zu besitzen, zu haben, zu verstehen und zu wissen und sich demnach in die Großartigkeit des Platzes zu versetzen, den das Leben einnimmt, ist… -abgesehen davon, dass es ist, was es ist- ein „kontinuierliches“ Spektakel.

Zu wissen, dass jede Welle, die am Gestade ankommt, unterschiedlich ist.

Zu wissen, dass jeder Klang des Bachs kontinuierlich wechselt.

Zu wissen, dass… alles anscheinend stillstehend und fest ist, aber alles bewegt sich schwindelerregend, so sehr(!), dass wir es nicht wahrnehmen.

 

Wir müssen aufhören, anonyme Regentropfen zu sein, die fallen und nicht wissen, wohin sie gehen, und die den Tropfen, der sich in ihrer Nähe befindet, nicht kennen und die Millionen von Tropfen, die gleichzeitig fallen!

Wir müssen von der Idee ablassen, dass wir „ein Tropfen” sind. Wir sind Regen… und wir befruchten die Erde. Und wir geben dem Durstenden zu trinken! Und manchmal… ertränken wir ihn vor Durst.

Wir sind Regen und jeder Tropfen ist… ein Hauch. Aber jeder Tropfen weiß von dem anderen und dem anderen und dem anderen. Sie fühlen sich nicht anonym…

 

Währenddessen –so wie das Sprichwort sagt: „Niemals regnet nach jedermanns Geschmack”-, sucht der Mensch Zuflucht in „seinen Vorlieben“.

Besessen verbleibt er von dem, was ihm gefällt und was ihm nicht gefällt… so wie die Forderungen einer verwöhnten Erziehung.

 

 

Und wenn wir uns entdecken –wegen so offensichtlicher Zeichen-, dass wir nicht alleine sind und dass es in Folge dessen keine Einsamkeit gibt, sondern eine unendliche Begleitung… ermöglicht sich uns jedwede Realisierung.

Die Grenzen lösen sich auf…

Wir fangen an, das Unbegrenzte zu erahnen. Wir fangen an… die Überraschungen zu vermuten!

Wir machen weiter damit, Staunen und erstaunt zu sein(!)… und über unsere Ungeschicklichkeiten zu lachen.

 

Eine gesunde Position jene, die sich von ihren Gespenstern gelöst hat, von ihren Schatten und sich zur Festbeleuchtung der Reise gemacht hat.

 

 

Und ja, immer müssen wir eine Pause bewahren, damit sich das Wort der Stille ausdrücken kann… „mit seinen Genauigkeiten”. Die Pause ist es, die ihr einen Sinn der Sprache verleiht. Weil so jedwedes Phänomen auftaucht…. und wir haben eine Erklärung. Aber wenn es punktuell auftaucht, dann dient uns –im Allgemeinen- die Erklärung, die wir hatten, nicht mehr. „Sie dient nicht mehr.” Weil es die Sprache ist, die sich ausdrückt.

Aber man muss zulassen, dass sie sich präsentiert…, dass sich dieses Schöpfer Mysterium zeigt. Und dafür müssen wir die Position zu kontemplieren bewahren, unsere Nachforschungen verstummen zu lassen… und zulassen, dass uns unsere Sinne auf das aufmerksam machen… was man nicht erwartete.

 

(4:30 Minuten der Stille)

 

Wir sollten diese Einsamkeit und diese Aufgabe in grandioser Art und Weise neu interpretieren. Ja, weil wir bemerken können, wie diese anscheinende Einsamkeit der Aufgabe hütet. Sie hütet peinlich genau alles, was uns umgibt und sie bedeckt es und sie macht es größer. Aber dafür müssen wir aufhören uns anzusehen, und wir müssen uns mit unseren Sinnen… auf die Reise des Lebens projizieren.

 

 

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35. Es gibt keine Einsamkeit, sondern eine unendliche Begleitung