27. Von der Position der Bescheidenheit aus findet sich der Weg Realisierung

 

BETENDER RUF

 

(7 Minuten der Stille)

 

Und angesichts der –zumindest der theoretischen- Möglichkeiten und angesichts der Technologien, die beeindrucken, und angesichts der Wissenschaften, die aufdrängen, und angesichts der gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen Bewegungen, die uns einhüllen und angesichts der Mitteilungen, der Nachrichten, der Informationen… Informationen und Informationen  –all das, dem wir unterworfen sind-, sucht das Wesen eine Position der Erleichterung. Es erstickt. 

Weil man… –weil die Forderungen es so erbitten-, man will auf all das antworten: auf die Technologie, auf die Wissenschaft, auf die gesellschaftlichen Bewegungen, auf die Wirtschaft, auf die Kultur, auf die Formation, auf die… Was  mehr? Wir können Judo, Karate, Jiu-Jitsu, sentimentale Inspiration, Orographie des Unsinns hinzufügen… Ich weiß nicht, es gibt Kurse für alles.

- Orographie des Unsinns? Das ist neu.

Und betend können wir uns fragen: diese Verschwendung der Wahlmöglichkeiten, der Möglichkeiten, der Aktionen, der Handlungen…? Was andererseits das Gegengewicht vom Hunger, der Tragödie, der Verfolgung, der Unwissenheit, der Krankheit, des Analphabetismus, der verschmutzen Gewässer…hat –na gut, zumindest ist es da, auch wenn man das nicht berücksichtigt- und ein langes katastrophales et Cetera.

Die einen neigen zur Hilfe denjenigen gegenüber, die sich im Elend befinden. Die Misere wird sich fortsetzen… in theoretisch besseren Proportionen, aber proportional gleich oder schlimmer, weil die Konditionen, die sie kreiert hat, weitergehen.

Und es sind eben diese Konditionen, die das schlechte Zusammenleben schaffen, damit die Person sich in Robin Hood oder in Cyrano de Bergerac verwandelt, um den Hunger der Welt zu lösen.

So hat man eine gute spirituelle Ausrede.

Aber in der ermöglichenden Welt der theoretischen Möglichkeiten –und wir sagen „theoretisch”, weil sie sich ganz und gar nicht in der Reichweite aller befinden, aber sie sind repräsentativ für eine Spezies- neigt das Wesen dazu, sie alle umarmen zu wollen. 

Konsequenz, wie das Sprichwort sagt: „Vieles können, aber nichts gut.[1]

Konsequenz: Die Realisierungen, Aktualisierungen ergeben sich zwischen Mittelmäßigen und Vulgären, weil man nicht ausreichend gedrückt (span. ‚apretar‘).

Konsequenz: Verzweiflung, Wut und Traurigkeit; Bewusstsein nichts wert zu sein oder… oder klar, wenn ich mich mit Dingsda und Bumsda vergleiche… Aber Dingsda und Bumsda vergleichen sich gleichzeitig mit anderen und ihnen passiert dasselbe.

Der Betende Sinn weist darauf hin, dass diese Position sehr weit weg ist von der Bescheidenheit. 

„Bescheidenheit”: Diese Kondition, die unbedingt notwendig wird, wenn man betet und infolgedessen wenn man zusammenlebt.

Wenn es dem Wesen an ausreichender Bescheidenheit fehlt, dann wird es ‚suprepotente[2]’. Es tut, es zeigt sich, es verhält sich. Also befindet sich das Ergebnis, so wie wir es gesehen haben, zwischen mittelmäßig, vulgär oder… mit ein bisschen Inhalt.

Der Betende Sinn erinnert uns an etwas, was man sehr berücksichtigen muss und was man theoretisch weiß und das ist, dass jedes Wesen mit Ressourcen, mit Mitteln versehen ist, um auszuüben und um einen Sinn im Dasein des Lebens zu erfüllen.

Und das positioniert es in eine ausgezeichnete Position, um das zu tun, was es tun muss, was ihm entspricht zu tun, in einer makellosen, bemerkenswerten Art und Weise. Es ist nur so, dass wenn es sich nicht strickt bescheiden an diese Position hält und danach trachtet das zu sein, was man nicht ist, dann überfordert es sich, wird es deprimiert, verzweifelt es, wird es betrübt, es erstickt.

Aber da die gesellschaftliche, kulturelle Forderung, die der Umgebung –et cetera- klagend ist… –und jeder Einzelne auf seiner Ebene- bewirkt das, dass sich die Beunruhigung als „natürlich“ aufdrängt.

Es zu verstehen, sich in der Bescheidenheit zurückzuziehen, wissend, dass man sich in der Ewigkeit des immer Möglichen befindet, in der Größe des unermesslichen… ist die beste Antwort, die generell und im allgemeinen der Betende jetzt und im allgemeinen wieder aufnimmt. Und wir betonen das „jetzt”, weil man alles kontrollieren und dominieren möchte –ohne zu wissen, was das Alles ist-… alles, was nach und nach auftaucht.

„Lehrer von allem, Unwissender von jedweder Sache.”

Und so wie das Wesen nach und nach diese Position der Bescheidenheit akzeptiert, diese Position, seine Talente und Ressourcen auszuwerten, wird es den Weg der Realisierung finden. Mit Schwierigkeiten, mit der Notwendigkeit sich zu organisieren, mit Strategien, die es entwickeln muss, klar! Es wird nicht leicht sein, wenn alles in eine andere Richtung zeigt!

Eine Disposition des Dienens berücksichtigt die Bescheidenheit des Tuns. Und so ist es, wie wir uns fühlen oder dahin kommen können, die Großartigkeit des EWIGEN, die Pflege des Mysteriums zu fühlen. Weil wir uns in dem ausüben, was wir sind und es gibt einen immensen Raum, damit das Echo des Schöpfer Mysteriums wohnen kann… und damit wir es fühlen und damit wir es leben! Wenn wir den gesamten Raum mit unserer fortschreitenden Dominanz besetzen… was verbleibt da für das Mysterium? Was verbleibt für das Unvorhersehbare, das Außerordentliche, das Ausnehmende? Was bleibt? Bleibt etwas?

Aus irgendeinem Kreuzungsweg herauszukommen bringt einen Aufstieg der Bescheidenheit des kleinen Weges innerhalb des unendlich Ermöglichenden mit sich.

Die kleinste der Verrichtungen, die jedem Wesen entspricht, hallt in allem unendlichen Tun wider.

Infolgedessen kommen sie angesichts jedweden Tuns zu uns und wir sind umgeben von diesem anderen „unendlichen Tun“. Und das, was uns klein oder beschränkt erscheinen mag, das, was wir tun(!) wird wirklich groß, weil es erforderlich und notwendig ist.

Und so wie die unterwürfige Bescheidenheit –ohne es zu beabsichtigen- großartig wird durch die Aktion der Schöpfung, die vereinigt, die uns in eine permanente Schöpfung in eine Notwendigkeit der Elemente, aus der sie zusammengesetzt ist,  stellt und die verfügt –damit sich das Leben in seiner Fülle ergeben kann.

Von der Sichtweise der unterworfenen Bescheidenheit aus…, die durch das betende Zuhören erzeugt wird, wird die erwachte Sensibilität ermöglicht, damit wir bemerken, dass wir vorgesehen gehütet und gepflegt werden…

 

(7 Minuten der Stille)

 

Und gleichzeitig –paradoxer Weise- wie man sich in dieser ängstlichen Turbulenz befindet, ist es gleichzeitig der beste Ruf Lockruf um zu bemerken, dass man in diesen Wirbel fallen muss. Gleichzeitig ist es die beste Form zu bemerken, dass die Pfade dort nicht längsgehen, sondern dass dort die Zyklone, die Gewitter, die Vulkane längsgehen…

In der Schöpfung gibt es keinen schlechten Moment. Die Güte, die Barmherzigkeit und das Wohlwollen des Ewigen verhindern das. Aber es ist in dem persönlichen Hedonismus schon leicht, in das Horten, in das Kontrollieren zu verfallen…

Und wir vibrieren in dem Fühlen der Identität unserer Beschaffenheit, indem wir diesen Einklang suchen, der uns unser Himmlisches Erbe zeigt.

 

OHMMMMMM

 

***

 


[1] El que mucho abarca poco aprieta. Siehe im nächsten Satz die Übersetzung des Wortes ‚apretar‘.

[2] Neue Wortbildung. Soll wahrscheinlich so etwas bedeuten wie super potent.