25. Liebend ist es, wann unsere Natur ihre Tugend erreicht

 

BETENDER RUF

 

(7 Minuten der Stille)

 

Und so, in dem Maße wie sich der Verlust des „Materiellen“ ergibt, deutet sich der Gewinn der Geschicklichkeit des Psychischen und sogar „des Spirituellen” an, so als wäre das Bewusstsein der Menschheit bereits zwischen Materie und Nicht-Materie, zwischen Geist und Materie aufgeteilt … ein Konzept, das überholt erscheinen könnte, aber das nicht abgelaufen ist.

Von dieser anscheinenden Dualität kann man deren Insolvenz genau dann abschätzen, wenn eine der Beiden anfängt zu erlöschen oder sich zu vermindern scheint.

 

Das Saatgut des Baums ist winzig. Seine Dunkelheit in der Erde nimmt man nicht wahr. Seine Symbiose mit dem Wasser bemerkt man nicht. Und wenn es aufkeimt… –ach(!)- dann bricht es an und es scheint keine besondere Bedeutung zu haben. Wenn es wächst... und es zu einem Baum wird scheint es so, dass es eine andere Sache ist als das Saatkorn, das gepflanzt wurde. Aber wenn sich die neuen Saatkörner von diesem Baum erzeugen, dann kann man sich fragen:

„Gab es irgendwann einmal zwei? Oder gab es nur ein transformiertes Verstreichen?”

 

Der Betende Sinn ruft uns, damit wir uns vereinen, er ruft uns von der nicht nur dualen Widrigkeit aus, dass wir uns als eine einzige Wesenheit entdecken: Dem Leben.

Ein Mysterium… Ein Schöpfer Mysterium, singulär –„singulär”-… das nicht fordert, denn sein Ursprung vom Schöpfer Mysterium aus… versetzt es außerhalb des menschlichen Wissens.

Unser Wissen, auch wenn es die Tiefe des Aspektes sucht, ist doch weiterhin oberflächlich, ist doch weiterhin virtuell, denn unsere Kognitive Fähigkeit hat keine Ressourcen, um uns in diese Universalität zu versetzten.

Unsere kognitive Fähigkeit nicht, aber schon unsere sensitiven, sensiblen Sensoren, unsere sensiblen Sinne (span. ‚sentidos‘), die zu Gefühlen (span. ‚sentires‘), Emotionen, Lieben werden.

 

Wenn man sich in der Reibung der Erfahrung, der Liebeserfahrung befindet,          dann werden noch nicht einmal die Pluralität –„nicht einmal die Pluralität”- noch die Dualität gegenwärtig. Man sieht eine andere Dimension. Weil die Fähigkeit des Bewusstseins zu einem Strudel wird, der alles umfasst, aber nichts erklärt das. Er präzisiert es nicht...!

 

Wenn unsere Ebene zu lieben… inszeniert wird, absolut wird und sich auf das Schöpfer Mysterium bezieht, wenn es so ist –wenn es so ist- und wenn wir zumindest unsere Herkunft aus diesem Lieben des Ewigen anerkennen, dann werden wir uns zumindest in der Vibration befinden, dass genau dann, wenn wir lieben, unsere Natur ihre Tugend erreicht...

Und dann ist man in der Lage das Korn einzusammeln, die Erde zu bearbeiten, das Holz kunsthandwerklich (span. ‚artesanear‘) zu bearbeiten… und in all dem den Hauch der Liebe zu finden und infolgedessen das Gewonnene, das Verlorene, das Materielle, das Immaterielle aufzulösen …

Ja. Sicherlich kann das für Momente wie ein Märchen erscheinen. Für Momente. Aber genau in diesen Momenten des Betenden Rufs ist das kein Märchen. Es ist das, was es wirklich ist. Es ist das, was wir wirklich sind. Und dann ist es, wann wir wirklich als solche handeln: wenn wir lieben.

 

Wir würden also sogar diesen bereits abgedroschenen Satz nehmen von „das ist mit viel Liebe gemacht” und wenn es auch sicherlich so wäre, hätten wir kein Bewusstsein von Verlust, wir  hätten keine Habsucht des Gewinns, wir hätten keine Angst zu verlieren… oder den Alarm enteignet zu werden.

 

Jetzt, wo man uns als Materie, in der Materie und durch die Materie verbannt, ruft uns der Betende Sinn und er ruft uns und er ruft uns… der ruft hin zu dieser Liebe des Geliebten, der die Schöpfung mit ihren Kreaturen aufstellt.

Und wird es etwa so sein, dass dieses ganze aktuelle Leben eine universelle List ist        –über die hinausgehend, die sich als Protagonisten fühlen-, damit das Wesen eine Konversion seiner Dualität oder Pluralität in eine absolute Verschmelzung mit dem Bewusstsein zu lieben erfährt?

Sie sagten –oder das Sprichwort sagt-, dass „Gott in geraden Linien schräg schreibt”. Das ist das, was man sagen kann: „Die Körnung der Krönung des Konspirativen.“

 

Das Leben evolutioniert progressiv hin zum „Wissen“ –in Anführungsstrichen- unserer Funktionen, unserer Kapazitäten, unserer Möglichkeiten, unserer Errungenschaften, unserer Technologie, unserer Wissenschaft.

Dort, in diesem Sinn scheint das Immaterielle, das Geschmückte, das Figurative  keinen Sinn zu haben.

Der, der in dem scharrt, was er „materiell“ nennt, der beschreibt wie dessen Prozesse sind, das, was addiert, was abzieht und multipliziert und dann geht die Rechnung nicht auf…, also er bemerkt nicht, dass all das unter dem Gesichtspunkt des Konkreten, virtuell ist. Es war eine Wahrnehmung, die durch die Possession geführt wurde, welche die Menschheit erzeugt hat, um sich als Herrin, um sich als übermächtig zu fühlen. Und es reicht ein Niesen seines Wissens, seines eigenen Wissens(!), damit alles beunruhigt ist… und die Klagen, die Forderungen, die Verzweiflung ans Tageslicht kommen.

Die Sicherheit war virtuell, nicht wahr? Sie war so virtuell, dass ein ungelegenes, nicht kalkuliertes, unvorhergesehenes Niesen das Materielle paralysiert und das Mutige, die Seele erblühen lässt, die Vorstellungskraft, die Fantasie, die unsinnigen Gedanken erblühen lässt.

Das kann ein exzellenter Moment sein, um hin zum Lieben abzuheben.

Es kann auch ein tragischer Moment für die Verzweiflung, die Gewalt, die Zerstörung sein.

Und es scheint so, als ob sich erneut die Dualität präsentierte. Aber erneut kehrt sie zum Fiktiven zurück. Dieser Eindruck der Verzweiflung, der Gewalt sind nicht mehr und nicht weniger als ein Hauch der Seele, die, wenn sie ihre Struktur in Eroberungen zerstört eine Form der Beklommenheit, der Furcht, der Tränen annimmt…

Wenn man das bemerkt, dann muss das Wesen zum Bewusstsein zu lieben als die wahrhafte Offensichtlichkeit erwachen: die, die ihm die Karte der Natur zu lieben gibt, die, menschlich zu leben.

 

Die Ausübung des Mitleids zunächst sich selbst gegenüber und dem Mitleid gegenüber der Umgebung des Menschen ist vielleicht eine der ersten Manifestationen, die uns an die Sensibilität zu lieben annähert.

Es scheint so, als ob das Erbarmen Verlust wäre, Niedergeschlagenheit wäre, Minderwertigkeit wäre... Sie haben es uns als etwas gezeigt, das mit dem Tot, der Sünde, dem Scheitern verbunden ist…

Und es ist der erste Schritt, um sich geliebt zu fühlen und um sich liebend wahrzunehmen.

Weil das Erbarmen nicht Vergebung ist, es ist Streicheln.

Weil das Erbarmen nicht Furcht ist…  es ist Verständnis.

Weil das Erbarmen kein Verlust ist…  es ist Sanftheit.

Weil das Erbarmen kein… Jammern ist, es ist Lächeln.

Weil das Erbarmen kein Tot ist, es ist Leben der Ewigkeit.

Weil das Erbarmen keine Eitelkeit ist, keine Arroganz ist, kein Stolz ist, keine Selbstverherrlichung noch ein Götzendienst ist.

Weil das Mitleid bedeutet, nachzugeben… ohne Sensibilität zu verlieren, sich darin vergrößernd, diese Einhüllung der Wärme einzusammeln, um das Leben zu erzeugen, diesen permanenten Beistand… Erbarmen.

Was ist es… was ist es denn sonst, was die ganze Umgebung, unsere ganze Natur, das ganze Universum gegenüber dem Wesen der Menschheit hat? Was ist es, was es hat? Was ist es, was es macht? Was ist es, was es ausübt? Erbarmen! Ohne ES hätten wir niemals geatmet.

 

Und wenn wir uns erbarmungsvoll fühlen… was nicht bedeutet, dass wir Quengler sind noch Leibeigene. Es ist vielmehr, dass wir uns in der Bescheidenheit, in der Unterwerfung angesichts der Schöpfung fühlen. Es ist vielmehr ein Halleluja angesichts dessen, dass wir hier sind, angesichts unserer Offensichtlichkeiten uns zu fühlen, uns anzunähern, miteinander zu sprechen, uns zu sehen…

 

Und wenn wir fühlen, dass wir aus Erbarmen da sind –„und wenn wir fühlen, dass wir aus Erbarmen da sind”-, und wenn wir uns unserer selbst angesichts der Beschaffenheit, in der das Erbarmen beschrieben wurde, erbarmen, wovor, vor wem muss man da Furcht haben? Vor was oder von wem muss man fliehen?

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Wir könnten Anlass sein (span. ‚dar pie‘) zu diesem Erbarmen (span. ‚piedad’) als… Erinnerungskarte. Die nicht vergessen ist, aber schon… verborgen, abgesondert. Und so:

 

Eeeeer-barmennnn

Eeeeer-barmennnn

Eeeeer-barmennnn

 

 

Und Anlass sein (span. ‚dar nos pie‘), dass wir uns geben, mit der Sensibilität zu wissen, dass wir Augenblicke des Erbarmens sind, Ausdruck eines ewigen Liebens… ganz sicher, dass einige Momente von diesem sich geben, von diesem „Anlass sein, sich zu geben“ (span. „dar pie a darse”) die Beschaffenheit dieser Hingabe zum Liebenden wird.

Und damit Erbarmen.

Und damit, Auflösung der Dualität… und Integration der Einheiten.

 

Man muss darauf hinweisen, dass in der Ausübung dieses ersten Schritts hin zum Erbarmen, aufgrund dessen, dass die Umgebung in ihrer Mehrheit für gewöhnlich Gewinner, ‚Erlanger‘, ‚Erreicher’ ist… dass es leicht ist, dass der Missbrauch auftaucht. Genau: „Der Missbrauch.”

Wenn man es erlaubt, dass man unser Erbarmen missbraucht, wenn wir das erlauben und nicht rigoros sind, dann werden wir Futter des Konsums sein; wir werden dazu übergehen, Belohnungen des Momentes zu sein, leichte Beute für den, der danach sucht zu gewinnen, erneut zu erobern, zu erreichen, zu erlangen…

Ist denn etwa die Vorsehung nicht rigoros… in ihrer unendlichen Großzügigkeit?

Den Missbrauch unseres Erbarmens zu erlauben, unseres ersten Schritts hin zu dem, der gibt…, das zu erlauben bedeutet „sich zu verlieren“. Es bedeutet anderen die Möglichkeit des Gelächters, der Beleidigung, des Ausnutzens zu geben.

 

Der Respekt demgegenüber zu lieben –in den ersten Schritten mit dem Erbarmen- muss sorgfältig(!), anspruchsvoll(!), makellos, leuchtend, überraschend, leidenschaftlich sein.

Er fürchtet nicht, aber er erlaubt keine Beschädigung.

 

Auf dass das Erbarmen nicht dem dient und kein Träger für das Vergnügen dessen ist, der fordert…!

Vorsicht!

 

Hab Erbarmen!

 

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