23. Das Leben errichtet sich nicht, um etwas zu gewinnen

 

BETENDER RUF

 

(3 Minuten der Stille)

 

Und gleichzeitig, während das Herbstblatt auf den Boden schaukelt, scheint es so, dass dasselbe Blatt, das herunterfiel an einem anderen Ort dieses Ortes dieses Universums simultan, gleichzeitig  aufkeimt. Es scheint, als ob es die Erde im inneren durchq  uert hätte, bis es hier neu wurde, um später erneut in jener Heimat zu fallen und dort wieder zu ergrünen.

Alles verläuft simultan, so als ob alle, alles einen selben Weg nehmen würde          –vielleicht ist es so- und nichts realisiert werden könnte, ohne das Zusammentreffen mit dem anderen, von anderen.

Aber die Menschheit in ihrer Entwicklung kletterte hinauf, gewann, sammelte ein, bewahrte auf… Und während sie das machte, pflegte sie nicht gleichzeitig, sie tröstete nicht, sie lächelte nicht, sie ruhte sich nicht aus, sie applaudierte nicht. Alles war der Erfolg, der Besitz, die Herrschaft, die Kontrolle, die Macht. Und gleichzeitig gab es keine andere Sache. Man musste summieren und summieren und sofort multiplizieren und multiplizieren und multiplizieren …

Es beschleunigte sich ein angsterfüllter Absolutismus, so als ob es vom ersten Moment an das Ende der Welt wäre: „Wir sollten essen, bevor es ausgeht”, „wir sollten ankommen, bevor wir gehen”, „wir sollten vorher das Erreichen, was noch nicht notwendig ist”, „wir sollten verbrauchen, falls es später nicht mehr gibt…”

Und das Simultane war nicht da. Und von daher, als die Dinge nicht waren, was man erwartete, fand sich dann das Wesen im Tempel ein, um die Götter inständig um seinen Erfolge zu bitten –die, die es erreicht hatte, und mehr(!), damit SIE seine Dramen und Tragödien linderten.

Ach! Es schien, dass es unmöglich war den Tempel mit sich rumzuschleppen, so wie es die Weinbergschnecke macht, die ohne Laste weitergleitet. Denn in der Proportion könnte sie es nicht tun.

Ach! Aber man wählte den Taktstock dieses zu erreichen, dann jenes, dann das andere, dann –wenn noch Zeit war- jenes andere. Obwohl unser Wesen verlangte…           –klar- es verlangte auch gleichzeitig, simultan, Klänge, Empfindungen… Aber die Priorität der Erfolge herrschte vor.

 

Und so ging es nach und nach vorwärts, vorwärts… –vorwärts(?). So verlief die Menschheit: sie merkte, was sie aufgab, das schon, aber sie bevorzugte, was sie interessierte und floh vor dem Unbequemen…

Das Wichtige war –und sind- die Gewinne.

Bis dass… –ach(!)- bis dass man plötzlich wie bei einem schlechten Schachzug… alles verliert.

 

Und hier weist uns der Betende Sinn darauf hin: Und wenn man alles verliert…              –alles- dann ist das Bewusstsein da; das ist es, worauf es uns hinweist, nicht, dass man alles verliert, es weist uns darauf hin, dass wir niemals nichts gewonnen haben! Oder besser gesagt: Wir haben niemals „etwas“ gewonnen, niemals.

Aber nein. Da man das Gleichzeitige verachtet –mit dem Eifer zu gewinnen- haben wir den Berg zerstört, das Tal, die Flüsse, den Untergrund, die Luft… Wir haben den Gesang der Vögel ausgelöscht. Wir haben die kleinen grünen Knospen geschwärzt. Wir haben nach und nach so, so vielen Dingen an Wichtigkeit genommen und Wichtigkeit... und wir sind mit dem Wichtigen verblieben.

Und jetzt? Und jetzt, wenn der Moment kommt, in dem alles verloren gegangen ist, welche ist die Antwort?

Der Betende Sinn weist uns darauf hin, vom Bewusstsein aus, dass man „nicht nichts“: sondern, das man niemals etwas gewonnen hat. Das war eine egoistische, arrogante und eitle Fata Morgana. 

Das Leben errichtet sich nicht, um etwas zu verdienen. Es errichtet sich, um wohlwollend in einer permanenten Betrachtung zu verlaufen, mit einer genussvollen, gleichzeitigen Interaktion.

Das scheint sehr schwer zu sein, das anzunehmen.

Heutzutage scheint das unmöglich, das auszuüben. Aber gerade heute, indem man sieht wie das Herbstblatt zum Frühling wird und wie der Frühling zum Herbst wird könnte man die betende Anregung hören, dass man „nichts verdienen müsste”, „dass man nichts erreichen muss”, sondern, dass man, wenn man sich bewusst wird, dass man „alles verloren hat“, der Weg nicht der ist, dasselbe zu wiederholen… man würde sagen „Heldentat“, nicht wahr? Aber es ist jetzt keine Heldentat, so wie wir es jetzt als Gebet leben. Es ist keine Heldentat. Das würde bedeuten „dieselbe Dummheit“ zu wiederholen.

Ohne das Projekt zu gewinnen, ohne das Projekt zu haben, ohne das Projekt zu erreichen, sondern mit dem Bewusstsein weiterzumachen, da zu sein, simultan zu sein…!

Macht denn etwa der Trommler, wenn er seine Trommel schlägt dasselbe mit der rechten Hand wie mit der linken? Nein. Aber die linke weiß, was die rechte macht und die rechte, was die linke macht. Währenddessen fühlt und hört er gleichzeitig.

Die Beispiele können endlos sein. Das Überraschende ist, dass man sich angesichts so vieler Beispiele für den Erfolg, dafür zu erlangen, zu besitzen entschieden hat, dafür nicht zu wissen, wie man leben soll; nicht zu wissen, wie man sich dessen bedient, was herausquellt, was auftaucht. Weil man gleichzeitig dienen muss und sich bedienen lassen muss.

Und so ist es, wie wir lernen zu verstreichen. Und zu lernen, dass es bereits geschrieben wurde, weil wir gleichzeitig atmen und unser Herz gleichzeitig schlägt und gleichzeitig kauen wir und wenn wir innehalten, können wir reden und gleichzeitig fühlen und wir denken gleichzeitig.

Unsere physische Beschaffenheit ruht sich nicht aus.

Ihr Ziel ist nicht sich auszuruhen, ihr Ziel ist fortzudauern, sich zu erweitern(!), sich unendlich auszudehnen. Aber nicht dem nachzugehen, Erfolg zu haben, sondern aufgrund ihrer Beschaffenheit selbst. Aufgrund der Notwendigkeit selbst, die das Universum in permanenter Expansion zeigt!

 

Und so können wir die große Gelegenheit betrachten das Gleichgewicht des Bewusstseins herzustellen –ausgehend von der auferlegten Verbannung-, wenn sieht, dass man alles verloren und nichts gewonnen hat, sich in der gleichzeitigen Dimension als „ein gefälliger Diener“ zu entdecken und –gleichzeitig- als ein „Akzeptierender des Dienstes”, so wie der gleichzeitige Frühling und Herbst.

 

Und so ist es wie das Bewusstsein zum Führer des Kurses wird, zur Führung der gleichzeitigen Disposition…, die in der Lage ist, die Versklavung der Zeit aufzuheben und das Echo des Gebets zu hören –„und das Echo des Gebets zu hören”- das von uns eine andere Disposition fordert; eine andere, welche die Natur des Wesens ist: ein Wesen, das nichts gering schätzt, das alles als Priorität ansieht. Und es steht zur Verfügung, und es versteht es, einen Nachdruck an Notwendigkeiten anzunehmen, aber deswegen vernachlässigt es nicht sein Lächeln, sein Gebet, sein Bewusstsein der Fortdauer, die es durch die Gnade der Schöpfung hat.

Und zum Zeitpunkt zu tun dankbar zu sein (!) –was wie geboren werden ist. Und sich im Augenblick zu geben… oder zu nehmen zu erfreuen!

 

Dieser Kreuzungsweg fordert von uns einen Sprung. Und im Laufe des Durchlaufs der Spezies gab es mehrere, partielle, kleine, große, mittlere Forderungen, vielleicht viele(!)… Und der Mensch hat erneut die Rekonstruktion wiederholt, er hat wieder die Börse wiederholt, die Wechselkurse, die Produktivität und er fühlt sich wieder stolz, dass er das von vorher erreicht hat oder mehr.

Und die Hinweise wurden in Form von Kriegen, Pest, Cholera, Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüchen wiederholt… Vom Betenden Sinn aus alles ein Hinweis so wie ein Ruf, wie eine neue Gelegenheit. Und vielleicht wiederholt sich und wiederholt sich die partielle oder totale Katastrophe, so als ob das Universum unsere wahrhafte Identität fordern würde, die durch den persönlichen Egoismus überlappt wurde.

 

(7 Minuten der Stille)

 

Wenn der Genuss des Hervorkeimens des Frühlings nicht das Ocker des Herbstblattes aufhebt, dann werden wir gleichzeitig die Schneeflocke des Winters und den wohltuenden Schweiß des Sommers aufnehmen.

Und in dieser gleichzeitigen Wahrnehmung könnten wir in jedem Verlauf eine Zufriedenheit aufstellen, jedes Mal wissend… –dass es kontinuierlich sein muss(!)- jedes Mal, wenn wir uns bewusst freuen, wissend, dass es „eine Gnade“ war. Zu fühlen, dass die Gnade uns begleitet…

Der Faden des großen Marionettenspielers… bewegt sich. Das Schöpfer Mysterium belebt und bringt uns hin zu SEINER Gegenwart.

 

Aber auch wenn es so scheinen könnte, dass es eine Reise ist, zu der man eintrifft weist sie uns darauf hin, gerade weil das Gebet existiert, dass wir uns vor SEINER Präsenz befinden.

 

Aber das Erwachen dahin wird komplex, weil SIE die Wurzeln der Kraft, der Geschicklichkeit, des Wissens fordern. Und erneut taucht das Gespenst anzukommen, zu erreichen, zu schaffen, zu bekommen auf.

Jedes Mal, wenn SIE uns zum Beten rufen ist dort die Gegenwart; ist dort der Moment zu betrachten. Dort sind wir angekommen. Aber gleichzeitig machen wir weiter, weil es kein Ankommen gibt, es gibt Fortdauer.

Und so, in dem Maße wie wir alle Ereignisse betrachten, angefangen bei den kleinen Details bis hin zu denen, die wir für groß halten. Dabei gibt es weder kleine noch große, sondern es gibt gleichzeitige Details, die uns „in Watte gepackt“ tragen…, so als würden wir fliegen: Und die Blumen locken uns, wenn wir in ihrer Nähe vorbeigehen, die Zweige, wenn wir ihnen ausweichen; der Sand, wenn wir ihn betreten; das Blaue, wenn wir betrachten.

Alles ist ein gleichzeitiger Lockruf, damit wir uns als Bewusstsein des Universums… auf einer Reise hin zur unendlichen Betrachtung, in der wir uns befinden, fühlen!

Aber das nimmt man nicht bewusst war, weil man das, was da ist, nicht schätzt; weil sich das Wesen in seinen Kritiken abstürzt, in seinen Protesten, in seinem Missfallen, in seinen eingesammelten Forderungen(!)… und es sieht nicht, dass es Wind ist, dass es Hauch ist…

SIE betrachten es und es betrachtet.

 

Sich in dieser Vibration zu befinden, in dieser betenden Vibration, wird uns den Impuls des Bewusstseins geben, dass SIE bereits da sind(!), aber… SIE sind unterdrückt, abgeschafft und versteckt, weil einer vorherrschend wurde.

 

Es gibt… eine Gelegenheit mehr… um das zu verstehen.

 

Ja.

 

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