20. Die Schöpfung erfindet uns jeden Tag

 

BETENDER RUF

 

(6 Minuten der Stille)

 

Der Betende Ruf seufzt vom Schöpfer Mysterium hin zu unserer menschlichen Kondition und inspiriert die Anregungen darüber, damit wir unsere Lösungen angesichts der Schwierigkeiten, der Ärgernisse, der Verhinderungen ausüben…; auch wenn es so sein wird, dass jedes Wesen seine eigenen (Schwierigkeiten) hat und das macht es „anscheinend“ komplexer oder komplizierter, diesen Betenden Ruf anzunehmen. Wenn sich unser Bewusstsein aber dem Zuhören ohne Bedingungen öffnet, dann werden wir von dieser Inspiration, von diesem Seufzer des Schöpfer Mysteriums das aufnehmen können, was wir am meisten benötigen, was am dringlichsten ist; was außerdem zu unserer Sensibilität gelangt.

Und so werden wir, wenn wir teilen, wahrnehmen, dass der Betende Ruf für jeden Einzelnen ganz individuell ist und gleichzeitig auch für alle im Allgemeinen.

Es ist offensichtlich, aufgrund der Laufbahn, der das Leben der Menschheit gefolgt ist, dass man Lösungen für… den Hunger, für die sintflutartigen Regenfälle, für die ausbleibenden Ernten, für die nicht möglichen Ausdrücke anwenden musste –wegen Unterdrückung und wegen Verboten- von Gesängen, von Ausdrücken der Kunst…

Es scheint so, dass im Laufe „des menschlichen Durchlaufs, dieser –der Mensch- das erstrangige… –vielleicht ist das so- das erstrangige Hindernis für unsere Entwicklung, Evolution und Kreativität gewesen ist.

Und so können wir sagen, dass sich die größte Feindseligkeit, auf die der Mensch gestoßen ist, in den Menschen befand. Es war nicht in den Bestien, in den Insekten, in den Abgründen, in den Vulkanen… Nein.

Es ist vielleicht die einzige Spezies, die ihr eigener Plünderer ist. So fordert sie die „Gesetze” –„in Anführungsstrichen“- der Natur heraus. Und dieses sich selbst plündern ist zerstörend für alle. Es reicht aus, wenn sich einer selbst plündert, damit dieses Verhalten die anderen ansteckt und so erzeugen sich die kontinuierlichen Schwierigkeiten, die, wenn wir genau hinsehen, im Laufe der Geschichte nur wenig ausgetrottet wurden. Und jetzt in dieser Zeit, in der wir uns befinden, sieht man sie noch offensichtlicher.

Und so wird die Macht, der Chef, der Herr, der Vater oder die Mutter… zum Plünderer. Und was am besorgniserregendsten ist: man selbst.

Weil wir vor dem Modell des Regierenden fliehen können. Wir können uns verstecken.  Wir können… es sogar bekämpfen! Aber was ist mit uns selbst? Und wenn wir uns selbst verletzen, uns selbst bestrafen, uns anschuldigen…? Dafür, dass wir ungeschickt, langsam, still, vorlaut sind, dafür dass …

Man sagte: „Erkennen Dich selbst”, nicht „mach Dich fertig”. Das ist wichtig, nicht wahr? Manchmal gibt es Irrtümer in der Interpretation.  

Aber dann kam das Kriterium „mit dem ICH Schluss zum machen”, „sich selbst zu negieren”, die Analyse unserer Ungeschicklichkeiten… –so als ob andere sie nicht hätten. Aber nur wenig Kultivierung –wenig- unserer Tugenden.

 

Wenn man  gegenüber diesen Positionen Lösungen anwendet, erscheint das nicht einfach. Weil die Beschaffenheit des Wesens selbst… das abschlägt. Und wenn man jemandem sagt: „Du hast die Tugend Geschichten zu erzählen, Wissen zu kommunizieren…” oder irgendeine andere theoretische oder mögliche Tugend, dann werden wir in der Mehrheit der Fälle negative Antworten bekommen: „Nein. Ich nicht. Das macht mir viel Angst. Das mag ich nicht. Nein…”

Wenn es auch stimmt –wenn es auch stimmt-, dass manchmal Egos auftauchen, die sich selbst auf die Zunge treten und stolpern und hinfallen und die glauben, dass sie allgegenwärtig und omnipotent sind. Schon, aber das sind die kleinen oder großen Diktatoren, die… die vorübergehen. Aber die Anonymen –die Mehrheit- sind wir, die da sind und der Spezies Textur geben.

Und es geht nicht darum, dem Ego einen Altar zu bauen(!), sondern es geht darum, Lösungen durch unsere Tugenden, durch unsere ganz kleinen Fähigkeiten zu suchen. Vielleicht ist es schwierig, dass wir Stierkämpfer oder Feuerwehrmänner oder Architekten sind. Aber vielleicht können wir Krankenpfleger, Elektriker oder Maler sein.

Und das nimmt nicht, dass wir dem Stierkämpfer, dem Feuerwehrmann, dem Architekten als Beispiel gebende Handlungen nicht zusehen könnten. Da beginnen die Lösungen.

Der Betende Sinn erinnert uns daran, dass jedes Wesen in unserem Kreis „Leben” genannt mit Fähigkeiten, mit Talenten, mit Möglichkeiten auftaucht. Und sein Leben besteht darin, diese zu entwickeln, sie auszuüben, sie anwachsen zu lassen, sie mitzuteilen! Dank dem zu lernen, zu entdecken… und sich Tag für Tag neu auszudenken!

Ja, sich ausdenken. Wir sind eine Erfindung. Wie gut wäre es, das zu denken!

Das wäre ein Beispiel dafür, dass wir in unseren Fähigkeiten und in unseren Ressourcen etwas entdeckt haben.

„Ich habe mich heute in dieser Poesie erfunden. Ich habe mich heute in diesem Gesang erfunden. Ich habe mich heute in dieser Empfindung erfunden. Ich habe mich erfunden, weil man mir gesagt hat, weil ich gehört habe, weil ich gelernt habe, weil ich gelesen habe.“

 

Nach und nach erkennen wir –und dieses Detail sehr, sehr bedeutsam-, jeden Morgen, wenn wir wach werden, ja, dann erkennen ist wir uns, ja, ja… oder manchmal nicht. Aber ja: wir erkennen uns. Aber wenn wir unser Dasein, unser Fühlen, unsere Wahrnehmung ein bisschen vergrößern –wenn wir nicht mehr verschlafen sind- stimmt es da etwa nicht, dass wir da bemerken, dass wir irgendwie anders, andere sind? Etwas! Gibt es da nicht etwas, was sich verändert hat? Wird das diese kleine Erfindung sein, von der uns der Betende Sinn erzählt? Stimmt es etwa nicht, dass wir im Laufe des Tages in kleinen oder in großen Details überrascht sind, dass es nicht dieselben wie vom Vortag sind?

Ohne dass wir bewusst etwas tun oder gemacht hätten! Aber wenn wir das untersuchen, was wir über uns selbst wissen, sehen wir, dass es kleine Dinge gibt, die anders sind, die sich verändert haben, die aufgetaucht sind… und die kein Produkt unserer Fähigkeit sind.

Die Schöpfung erfindet uns jeden Tag. Sie gibt uns dieses Detail, das „löst”, das zur Funktion hat,  unsere kurzsichtige Vision zu lösen.

Es ist so, als würden sie mit leiser Stimme sagen:

„Du bist zu jedweder Realisierung in der Lage, weil Du ein Ausdruck des Schöpfer Mysteriums bist, weil Du Dich im Universum manifestierst und das Erbe von allem Kreierten in Dir ist. ‚Minderbewerte‘ Deine Ressourcen nicht. Berücksichtige die Anregungen Deiner Entdeckungen, jener, die Du nicht bemerkt hast.

Und mit diesen kleinen unterschiedlichen Details, erfunden durch die Schöpfung, beginne Deine Fähigkeiten zu fördern. Schließe Freundschaft mit Dir! Aber verbessere sie. Sei mit Dir selbst im Gleichgewicht, aber pass auf, dass Du nicht fällst. Führe die beste Version Deines Kriteriums durch(!), damit sich die gesamte Umgebung davon nähren kann.”

Denn in dem Maße wie wir es verstehen uns durch die anderen zu nähren und gleichzeitig die anderen zu nähren sind wir in der Lage, als Wesen und als Spezies, unsere eigenen Plünderer zu sein. Wir sind in der Lage gegenüber den Hindernissen eine Lösung mit solidarischer Kreativität und dem ausreichenden, geräumigen und verfügbaren Konsens zu geben.

 

(3 Minuten der Stille)

 

Die Angst, die durch die Unterdrückung unserer selbst als Plünderer aufgetaucht ist, hat uns erschreckt, damit wir uns befreiend, frei ausüben. Und das Wesen trifft die Wahl, sich zu plündern und „sich ‚unterzubewerten‘, und um so weniger teilzuhaben und weniger fähig zu sein. Und dabei ist es so, dass wir uns vor einer Schöpfung von Fähigkeiten und unbegrenzten Ressourcen befinden. Ja. So ganz sanft gesagt. Man muss nicht übertreiben, wenn man in einem unendlichen Universum lebt: Das ist bereits übertrieben.

Und damit man es noch klarer sieht: Das eigenartige ist, dass man dieses Kriterium, dass wir gerade genannt haben, nicht geglaubt hat. Dass man nicht daran glaubt. Das unterdrückende und gleichzeitig egoistische System eines jeden Individuums ist so groß, dass diese Offensichtlichkeit, einem Schöpferischen Unendlichen anzugehören –und deswegen ein Ausdruck von ihm zu sein und deswegen mit unendlichen Ressourcen ausgestattet zu sein-, sogar eingeschlossen, eingeschlossen ein Wahnsinn ist, bzw. dass das bedeutet selbstverherrlichend zu denken. Nein.

Das schon: man muss es üben. Man muss die Selbst-Verbote, die selbst-Bestrafungen, die Unfähigkeiten beiseitelassen, die wir selbst geschaffen haben oder die andere bei uns geschaffen haben und die wir geglaubt haben. „Nein, Du taugst nicht dazu.” Wie oft hat man uns das gesagt? Und wie einfach glaubt man das. Und wie schwer nimmt man an und akzeptiert unendliche Fähigkeiten.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Ausgehend vom Unendlichen, indem man unendlich ist, sind die Lösungen, die der Betende Sinn anregt, auch unendlich. Und wir gehen an ihnen vorbei, wenn unser Bewusstsein weiter wird. Und wir sind in der Lage, die besten, die Angemessensten in jedem Moment auszuwählen und permanent mit dem ‚Sentido‘[1] von Universum, ohne dass man deswegen die schöpferische Identität eines jeden Einzelnen der Wesen verliert.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Und in diesem Magma der Lösungen von inspirierten Schöpfungen darf die Angst nicht gegenwärtig werden. Die Wertminderung darf nicht einberufen werden. Die Oberhoheit auch nicht. Die gläubige Bescheidenheit schon.

Und damit werden wir uns geben, und wir werden anderen ein reales Bild von uns geben. Wir werden uns geben und das Gütigste geben… gleichzeitig wie es das Neueste und Kreativste ist: Die neue Erfindung, wir wurden erfunden.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Sie rufen uns zum Beten, damit wir uns daran erinnern, dass wir konstante, renovierte, erfundene Lösungen mit der konstanten Unterstützung eines jeden Tages sind.

Sie rufen uns nicht, damit wir ein Problem sind, damit wir zum Problem werden, um bestimmend, dominierend, fordernd zu werden!

Das Schöpfer Mysterium ruft uns, damit wir Gläubige unserer Natur sind, unserer göttlichen Herkunft und infolgedessen, dass wir uns befreiend ausüben.

Wir sollten aufhören, unsere eigenen Feinde zu sein und wir sollten aufhören, permanente Freunde zu sein.

Jeden Betenden Ruf so anzunehmen gibt uns die Perspektive –egal wie der Ruf auch sein mag- zu wissen, dass SIE uns zudecken. Dass sich unsere Sicherheit in Wirklichkeit nicht in uns befindet. Dass so eine Geschichte nicht existiert. Dass die Pflege und die Struktur unserer Existenz im permanenten Mysterium wohnen.

Sich befreiend auszuüben bedeutet, zu Luft und Wind zu werden, der weht und der kein einziges Hindernis gering schätzt, aber der sie vermeidet, sie umrundet, sie aufgibt… und belebt weiterzieht.

„Aufmunternd ermutigend.”

 

 

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[1] Sinn, Richtung, Weg