Magier sein, Überraschung sein, Geschenk sein

 

BETENDER RUF

 

Der Tag bricht, mit dem Träger der Überraschung, unter dem Zeichen der Magie an. Und menschliche Gemeinschaften begehen diesen Moment, so als wäre er… anders als andere Momente. Und im Erleben ist das so, weil sich das Bewusstsein darum gekümmert hat, es zu zeigen, es in dieser Form anzunehmen.

Aber wenn wir unser punktuelles Bewusstsein ein bisschen erweitern kann es ein Moment sein –der Tag des Zelebrierens- um zu bemerken, dass jeder Tagesanbruch magisch ist, und mit ihm schenkt er uns… und sie schenken uns Geschenke.

Dieses Verhalten des Bewusstseins ermöglicht uns, es befähigt uns, um aus jedem Wachzustand, aus jeder Nacht ein magisches Ereignis zu machen. Das keine Tricks kennt, das Mysterium hat, das Geheimnisse hat, um diese zu entdecken. Dass wenn wir     -bewusst- wachsam sind, können wir die Zufälligkeiten als Sprache wahrnehmen und intuitiv die unvorhergesehenen, vorhersagbaren Umstände interpretieren…

 

Die Logik, der Verstand, die Produktivität, der Gewinn, die persönliche Wichtigkeit und andere kleine Details vereinfachen nicht gerade diese magischen Postulate der Überraschung, des Geschenks.

Die Sinne mit ihren minimalen Leistungen sind durch das Werkzeug des Verstandes, durch die Kalkulationen, den Prozentsatz, die Statistiken, die Beherrschung und die Kontrolle und durch die systematische Handhabung der Angst zu Herren geworden.

So ist es schwer Magier zu sein, Überraschung zu sein, Geschenk zu sein.

 

Ja, weil das der Betende Sinn von heute ist.

 

Das Universum bietet uns einen unergründlichen, magischen Ausdruck an. Und das unter jedwedem Gesichtspunkt, das ist offensichtlich. Aber wir befinden uns in diesem Universum, und wir folgen wie runterbetend Worten, die wir übernommen haben: „Nach dem Ebenbild des Universums.” Und jedes Wesen hat demnach eine Magie. Ist ein Geschenk. Ist eine Überraschung.

Wenn wir die moralischen, die gesellschaftlichen, die politischen, die wirtschaftlichen, die kulturellen Vorurteile wegnehmen… werden wir in der Lage sein, in dem anderen, in anderen ihre Magie, ihre Überraschungen, ihr Geschenk, das sie mit sich bringen, zu sehen.

Werden wir denn vielleicht nicht in der liebevollen Magie benötigt? Stehen wir der angenehmen Überraschung etwa… nicht offen gegenüber? Warten wir nicht –ganz sicher- darauf, dass man uns eine Notwendigkeit oder einen Schnickschnack schenkt? Dass man uns wertet? Dass man uns schätzt…?

Stimmt es etwa nicht, dass all diese Wesen –gemeint ist Menschheit- all das brauchen?

Aber ganz offensichtlich, damit sich all das ergibt, muss unser Bewusstsein mit dem Verhalten bereit sein, Erbe einer permanenten Schöpfung zu sein.

Und wenn sich das Wesen nur ein bisschen kennt, dann weiß es, dass es ein Geschenk für jemanden ist, dann weiß es, dass es ein Geschenk für die anderen ist, dann weiß es, dass es Magie für jemanden, für etwas ist.

Und unmittelbar wird die Kultivierung dieses magischen, überraschenden, geschenkten Ereignisses kommen.  

Diese Kultivierung, die sich nicht in den Possessionen, in den Wünschen, in den Ambitionen, in den Gewinnen befindet. Sie befindet sich in der Intention, sie befindet sich in dem Dienen, sie befindet sich in der Disposition, sie befindet sich in der Tugend, die aus jedem Wesen ausströmt und die es zeigen muss.

 

Zweifellos hat uns unsere Kultur, Gesellschaft etc. mit enttäuschenden Botschaften gefüllt. Sie hat uns als Geschenk oder als Präsent unfähig gemacht. Sie hat uns als Magier unfähig gemacht! Sie hat die Magie auf… auf die Geheimnisse, die Lügen, die Tricks aufgeteilt. Sie hat aus der Überraschung einen Überfall der Macht gemacht. Sie hat aus dem Geschenk eine Bestechung gemacht.

Und unter diesem Blickwinkel fühlt sich jedes Wesen –im Allgemeinen- in der großen Mehrheit- frustriert, ängstlich(!), zweifelnd(!), misstrauisch, unschlüssig(!), unentschieden(!); mit einer Ebene der latenten Verzweiflung und so versucht es in einem Moment zu fliehen, sowie zu weinen oder zu verzweifeln oder sich zu beschuldigen, oder alle anderen für unfähig böswillig oder inkompetent zu erklären.

 

Eine produktivistische, gewinnorientierte, spekulative Kultur, die ganz schnell die Wesen standarisiert, bevor sich diese ihrer Natur bewusst werden. Und so sind sie dann lenkbar, leitfähig… und können ganz leicht ausgebeutet werden.

 

Der Betende Sinn erinnert uns einfach nur daran, dass wir das nicht sind: Schichten, Ebenen… Gewinn-Orientierte, Produzierende, Beherrschende, Kontrollierende… Und nicht nur, dass man uns unter diesem Parameter empfängt und umwirbt(!), sondern das bewirkt auch, dass sich die Wesen in Führende, in  Manipulierende, in Kontrollierende, in Lügner verwandeln.

 

Wenn wir das Leben betrachten –das, von dem wir fast nichts wissen- und wir ein Rinnsal an Ameisen sehen, das sich bei einem Stück Zucker einfindet oder wenn wir sehen, wie der Spross eines Saatkorns wächst und wir Tag für Tag auf… eine Veränderung, eine Überraschung, eine magische Transformation stoßen; wenn wir sehen –bis wohin wir in der Lage sind zu sehen-, dass das Leben nicht betrügt, nicht lügt, sondern sich zeigt, sich anbietet, sich gibt…  und das menschliche Wesen –in der winzigen Wissenschaft, die das Wesen in der Lage ist zu entwickeln- in der Lage ist das zu interpretieren, das zu sehen und zu bemerken, wie einige Mechanismen und einige Funktionen unterstützen, organisieren, entscheiden, ist es möglich, diese überraschende Makellosigkeit des Lebens zu sehen: magisch.

 

Ach! Ach! Was für eine Strafe und was für eine Last(!), wenn sich das Wesen der  Klage unterwirft(!)…

So ist es schwer, die Magie der anderen zu sehen, dass man die eigene Magie wahrnimmt.

Viel zu beschäftigt mit der Klage und dem Vorurteil!

Ja. Eine Menschheit, die Zeiten um Zeiten ihre Inkompetenz im Zusammenleben zeigt; ihre Unfähigkeit zeigt, ein Zweigespräch zu führen; ihre Strafen und Verurteilungen zeigt, so als ob sie nicht schon einige durchgemacht hätten. Aber auf ihnen basierend leben sie in der Rache, in der Wut, in den Strafen wieder auf. Sie kulminieren in Kriegen, ja: in Schüssen, in Toten mit Medaillen, in Herausforderungen und in Bedrohungen.

Aber auch wenn das eine Demonstration einer unpassenden Unfähigkeit eines Sapiens (span. ‚sapiens‘) ist, einer Weisheit (span. ‚Weisheit’) –was für eine Klasse von Weisheit (span. ‚Weisheit’) ist das denn…(?)-, ist das Schwerwiegende nicht der Konflikt an sich, der sich mit Bomben füllt. Nein! Das Schwerwiegende ist, dass das Reservoir, der Rohstoff, damit diese Tragödie auftauchen kann,  –wie ein Krieg-… der Rohstoff im Alltäglichen serviert wird: man erklärt den Krankheiten den Krieg, der Armut den Krieg, den Spekulationen den Krieg, den Krieg… Keiner von ihnen gewinnt.

Der Handel… das Zusammenleben… wird zum Krieg, weil jeder Einzelne versucht, seinen Platz zu gewinnen. Und diese Unfähigkeit, um miteinander zu reden, um zusammenzuleben, ist ein Nährboden für jedweden Krieg. Weil es ein Krieg ist! Ohne Bomben und ohne Pistolen, aber man ist bereit, sie in irgendeinem Moment zu benutzen.

Vielleicht war das Auftauchen des Jägers, im Gegensatz zum sammelnden Wanderer der Beginn einer Herrschaft, eines Gewinns… was auf eine Domestizierung übertragen wurde und… –und  wie sollte es anders sein- auf die Jagd des Jägers und von daher auf den kontinuierlichen Krieg.

Wenn man in diesem Magma von Frieden spricht, ist es die schlimmste Beleidigung, die man aussprechen kann. In diesem Magma und unter diesen Gesichtspunkten gibt es nicht einen einzigen Vers, der standhält. Gibt es nicht eine Illusion, die fortdauert. Gibt es kein Ideal, dass in der Lage ist, sich zu verteidigen.

Und „wirklich“, diese Magie wird verfolgt! Die Illusion und die Fantasie sind eine Strafe oder… eine wichtige Droge, die man kontrollieren muss.

Ja. Es ist notwendig…

Ja, diese Schattierungen von… Unbequemlichkeit sind –zumindest (span. ‚como mínimo‘)- angebracht. Die Schattierungen des Leides und des Schmerzes –als  Mittel (span. ‚como medio‘), die des Scheiterns –als Maximum (span. ‚como máximo‘)- notwendig, wenn... –ja, sie sind notwendig- wenn wegen einer unsichtbaren, imaginativen Tradition die magische Repräsentation gemacht wird, sich die Überraschung ergibt, das Unerwartete und das Geschenk das ist, was diese Notwendigkeit gipfeln lässt. Dabei ist es nicht das Ziel an sich, sondern  das zu wissen, dass es diese Intention gibt, uns den Tag vorzustellen, mit ihm zu träumen,  uns für einen Tag zu Magiern zu machen.

Für die Schöpfung ist das zweifellos wenig Ertrag. Deswegen ist es wichtig sich zu erinnern, in welchem Magma wir uns bewegen, damit wir so… mit Eleganz, mit Freundlichkeit und mit Strenge unsere magische Präsenz, unsere kreative Überraschung, unser Geschenk als Ausdruck unserer Gaben einbringen können.

 

(2:15 Minuten der Stille)

 

Die Tatsache weiterzumachen, die Tatsache auf dem Muster des Lebens zu beharren, ist… nicht nur eine Hoffnung, sondern eine Offensichtlichkeit, dass uns eine außerordentliche, unglaubliche Magie in der Leere der Schöpfung andauern lässt.  

Sie lässt uns aufwachen (span. ‚amanecer’[1])…, um erneut geboren zu werden (span. ‚nacer de nuevo‘)!

Uns wird die magische Gelegenheit dargeboten uns vorzustellen, was wir sind.

Die Überraschung und das Geschenk zu bemerken, das wir durch unser Tun darstellen können, durch unsere Entwicklung, durch unsere Form.

Uns in einen adäquaten Raum zu versetzen.

Ein Zeuge eines ewigen Aktes der Liebe(!) zu sein…, indem man dem Wort seinen ganzen Inhalt gibt, seinen ganzen magischen Ausdruck.

 

 

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[1] „Amanecer“: „Tagesanbruch, Dämmerung, aufwachen, Morgendämmerung“. Der Meister macht mit der zweiten Silbe „necer“ ein Wortspielt und sagt „nacer“, „geboren werden“.