Unsere Mission als Menschheit ist es, nicht auszufallen

 

BETENDER RUF

 

(7:30 Minuten Stille)

 

Wegen des ‚wissenden[1] Kriteriums der Spezies sind wir dazu bestimmt uns zu fragen, zu ermitteln, zu forschen, zu suchen, zu lernen. Sicherlich, weil sich –im Gegenteil zu dem, was gedacht wird-, die Spezies nicht in ihrer Funktion, in ihrer Aktion, in ihrer Präsenz identifiziert.

Die Ameise, der Elefant, der Schmetterling, die Birke, die Esche… fragen sich nicht, „was mache ich hier, warum bin ich hier und wohin gehe ich“, sondern sie wissen es schon.

Und dieses „sie wissen es schon” können wir sagen, dass es so ist, da ihre Präsenz und ihre Beständigkeit in dem Verhalten konstant ist. Es kann Variablen geben und selbstverständlich Evolutionen, aber… es ist nicht –wenn man es vergleicht- der Unsinn eines menschlichen Wesens, dass heute an Klatschmohn denken kann und sich morgen  eine Schnellfeuerwaffe kaufen kann.

Dieses Detail ist wichtig –und das offenbart uns der Betende Sinn-, damit wir bewusst sind –in der Bescheidenheit und in einer anderen Vision der Realität-… dass wir uns bewusst sind, dass das wahrscheinlich nicht unser Raum ist, aber ein notwendiger Transit. Und wir sagten „gezwungen”, aber schon ein notwendiger Transit für diese Spezies Menschheit, damit sie letztendlich entdeckt, welches ihre Position ist. Und abgesehen davon zu beherrschen, zu kontrollieren und zu befehlen… abgesehen davon kann es sein –oder es könnte sein-, dass ihre Beschaffenheit eine andere ist. Obwohl sie gewählt hat –gewählt(?)- oder sich für die entschieden hat, die wir heute leben.

„Die, die wir jetzt leben”, die zweifellos pausenlos danach sucht, vorschlägt, interpretiert, eine unaufhörliche Aktivität der Kontrolle, der Vorurteile und der Sicherheiten zu erzeugen, die in irgendeiner Art und Weise unsere Beschaffenheit tatsächlich erstickt.

Aber das kann in irgendeinem Moment geschehen und in anderen ist es umgekehrt: Die Person ist damit zufrieden, wissen zu können, zu kennen und zu dominieren. Vor allem das Letzte.

Ah! Und dass es nach ihrem Belieben sei.

 

Wenn es doch so ist, dass wir nicht die Könige der Schöpfung sind, wenn es doch so ist, dass wir uns nicht „am Kopfende“ des Lebens, sondern „am Schweif”… des Lebens befinden. Und wenn wir das assimilieren und das annehmen, wenn dann unsere Beschaffenheit uns antreibt zu suchen, zu interpretieren, zu werten… wäre es auf der Basis des Vorherigen erforderlich, dass das Wesen zum Zeitpunkt zu entdecken, zu lernen, zu forschen, zu wissen, zu dominieren, zu kontrollieren, zu handhaben vorsichtig vorgehen würde…; nicht dass es –wie es vorkommt-, dass es aufgrund seines Eifers zu wissen, zu kennen, zu interpretieren, zu werten, abzuschätzen, zu kontrollieren, zu dominieren, zu lernen –nicht, dass es wegen all dieser Tendenzen-, schwerwiegend das Leben seiner Umgebung stört.

Es stört schwerwiegend das Leben seiner Umgebung.

 

Es gibt keinen Platz dafür… –was schon keinen Zweck mehr hat, nicht wahr(?)- die Scheußlichkeiten zu beschreiben, die die Spezies an diesem Ort des Universums gemacht hat: Kontamination, Aggression, Vergewaltigung, etc. Nein. Allein das zu wissen oder es offenkundig zu machen, sensibilisiert schon nicht mehr. Es ist etwas, was bereits eingeführt ist.

Aber der betende Sinn fragt uns: „Aber muss man so weitermachen…?”

Indem wir wissen, dass wir kein Löwenkopf sind, sondern dass wir vielmehr Rattenschwanz sind, wäre es da möglich… –wir treten in das Unmögliche ein, aber es ist betendes Gebiet-, wäre es da möglich, dass das Wesen seine Notwendigkeit der Suche und des Lernens befriedigt, ohne die Zuneigung, die Freundschaft, das Verhältnis, das Gleichgewicht, die Homöostase mit der Umwelt, das sich Kümmern… zu verletzten(!)? Ist das heutzutage möglich oder sind das „unmögliche Vorschläge” der Gebete? Oder ist es auf individueller Ebene möglich…? Was sich offensichtlich auf der gruppalen Ebene auswirken wird.

Es gibt keine individuelle Handlung, die nicht in der Gruppe Auswirkungen hätte. Wir leben nicht abgesondert.

Ist es möglich –in dem Unmöglichen-, dass das Wesen die Ereignisse dieses Lebens, welches es nicht kennt, ‚res-pektiert‘, dass der Wunsch dieses zu verstehen, es zu begreifen, es zu interpretieren und… und sich eine Idee zu machen stottert?

Ist der Respekt in Gedanken, Wort und Tat möglich? Oder im Namen des Wissens, im Namen der Wahrheit…

Die Wahrheit? Welche Wahrheit? Man muss vorsichtig mit den Worten sein. Dieses Wort entspricht uns nicht.

… Also könnten wir sagen:

„Dass wir zu Ehren dessen, entdecken zu können, was –global gesprochen- „SIE uns entdecken lassen, das mit dem Respekt interpretieren können, ohne dabei auf unsere Suche zu verzichten(!), auf unseren Ruf –in diesem Fall den Betenden Ruf-, der uns eben gerade nicht von der Suche entfernt, der uns nicht vom Wissen entfernt, der uns nicht vom Interpretieren entfernt, umgekehrt: er steuert uns Visionen, immer unterschiedliche, neue Perspektiven bei.“

Infolgedessen –und das ist sehr bezeichnend-, wenn man sich diesen Respekt vornimmt, dann verstümmelt man sich nicht, dann ist man nicht „kontra”… zu wissen, zu kennen, zu interpretieren, zu versöhnen, zu regulieren, zu akzeptieren. Nein!

 

Es ist notwendig, diese Ausnahme zu machen, denn der Lebensraum, in dem sich die Spezies bewegt ist: „Wenn ich hier längs gehe, dann bin ich „kontra“. Wenn ich so denke, dann bin ich „pro“, aber „in Kontra von“.“

Noch nicht einmal die Sympathien werden respektiert. Die Empathien noch weniger.

Als betende Wesen, die sich zum Ruf einfinden, müssen wir unsere Beschaffenheit bezeugen, um  nach und nach zu entdecken, welche unsere wahrhafte Position ist, um nach und nach Respekt zu lernen, ohne dass das eine Unterdrückung bedeuten würde.

Man darf keinerlei Element erlauben, das die Befreiung verhindert, erschwert oder behindert.

 

Und jedes Wesen ist dazu bestimmt, weil es LEBEN ist, sich zu befreien. Aber das zu tun kann nicht mit sich bringen zu verwüsten, zu verurteilen, ‚vorzuverurteilen’, zu beurteilen, zu bestrafen…!

Auf gar keinen Fall!

Diese Auffassung könnte gemäß der Normen, der Gesetze, der Begründungen und der vorherrschenden Logik als ein Widerspruch erscheinen. Gemäß denen man alle Rechte hat, um „wehzutun” und keinerlei Pflicht, um „zu erleichtern”; man hat sämtliche Rechte, um „zu verurteilen“ und keinerlei Pflicht, um „anzunehmen“… nicht mehr die Unschuldsvermutung anzunehmen, sondern die Unschuld an sich.

 

Zum Zeitpunkt, unsere Transzendenz zu schreiben, unsere Befreiung, unseren Verlauf, wenn wir das schreiben,  darf nicht ein Tropfen im Tintenfass verbleiben. Denn wenn es so wäre, dann gäbe es immer diese Nostalgie des Ressentiments; diese Furcht der Verständnislosigkeit.

Man muss diese Waage des Gleichgewichts annehmen, die von einem Extrem zum anderen geht; ihre Treue ist der Respekt und ihre Bewegung die Befreiung…, der um seine persönliche Intimität und die geteilten Intimitäten weiß.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Unsere Mission (span. ‚misión‘) als Menschheit ist es unbemerkt vorbeizugehen, etwas, was offensichtlich nicht geschieht.

Unser Gehorsam (span. ‚sumisión‘) als Leben ist es, in der Sorgfalt, in der Anziehung, in der Zuneigung, in dem Entdecken der Beschaffenheit des Liebens zu verstreichen…

Sich der Schönheit bewusst werden…

Und  sich darin ‚kreativieren’… KUNST  zu werden und infolgedessen, Zufriedenheit.

Ja! All das scheint sehr weit entfernt. Es scheinen Glocken… oder Glockenklänge zu sein, aber wir wissen nicht, wo sich der Glockenturm befindet. Das ist der Glockenturm: der Betende Ruf, der uns hin zum Unmöglichen katapultiert, der danach sucht in den Ressourcen der Schöpfung, im Leben(!) zu wohnen, damit wir uns identifizieren, damit wir unsere Position beschleunigen.

 

(6 Minuten Stille)

 

***

 


[1]Im Original heißt es „sapiens-cial“. Darin steckt „Homo sapiens“, und „saber“, „wissen“.