19. Der Betende Ruf: Das Pochen des permanenten Wunders

 

BETENDERN RUF

 

(7:30 Minuten der Stille)

 

Und die Prozesse des Leben und um zu leben ergaben sich zunehmend in Versammlungen, Gemeinschaften, Fusionen, Nähe…

Und so wurde das Leben –unter anderem- „groß”.

Jedes Wesen, als es teilte, verwandelte sich in ein anderes Wesen. So wie der Schwarm aus Vögeln, wenn sie ein Bild formieren: Es ist nicht wegen des Luxus gut auszusehen, sondern wegen der Eleganz sich wie eine neue Formation zu zeigen. Das erscheint für den, der das sieht, als wäre es eine andere Sache und nicht ein Vogelschwarm.

Dasselbe geschieht mit bestimmten Fischen, die Formationen bilden, die beeindruckend sind.

Die Gemeinschaft der Interessen –aber Interessen der Notwendigkeit, der Anziehung- erzeugt andere Perspektiven.

Das bewirkte in der menschlichen Gemeinschaft, dass sich Imperien bildeten. Es gab „eine Gemeinschaft von“…

Und als diese mächtig wurden und keine anderen Schritte als die ihren zuließen, griffen diejenigen, die keine Befürworter waren, auf die Trennung zurück. Von daher kommt sicherlich der Satz: „Teile und Du wirst besiegen.“

Wenn man zum Beispiel einen gesellschaftlichen Körper nimmt und ihn teilt, ihn zerlegt, ihn zerteilt, ihn einsperrt… was für eine Kraft kann dieser geteilte, gebrochene, getrennte, entzweite und beschlagnahmte Körper entwickeln?

Wenn man die so unterschiedlichen(!) Komponenten dessen, was wir „Materie” nennen, nicht integriert hätte, dann hätte sich das Leben, das wir in seiner Biodiversität wahrnehmen, nie ergeben. Einige Elemente integrieren sich mit anderen und anderen und sie werden zu komplexen Gemeinschaften. Und als sie neugierig werden… und in ihrem Universum stammeln, entdeckten sie, dass sie durch diese Integration noch größer wurden und ihre Fähigkeiten zunahmen.

 

Und wenn wir ein bisschen mehr nach draußen schauen, dann können wir feststellen, dass uns diese integrative Fähigkeit der Gemeinsamkeit, der Vereinigung in diesem zweifellos nicht vergleichbaren Kosmos-Universum mit unserem kleinen Lebenskern angeboten wird. Aber… nicht ein einziges Teilchen ist gegenüber seiner Integration in einem Komplex der Komplexitäten und komplexen Gemeinsamkeiten der Lichter und Dunkelheit ungehorsam.

 

In den Zeiten, in denen das Bewusstsein der Menschheit eine einfache Version –ja, einfache Version- des Ereignisses kannte, konnte jedwede Variable und Überraschung oder jedes Unvorhergesehene, das sich ereignete,  den Göttern zugeschrieben werden.

Musste man… kreieren?

Nein. Der Mensch kreiert nicht. Er ‚kreativisiert’ und pflanzt sich fort.

Aber es bildeten sich die Bilder –außerdem Bilder- von „Verantwortlichen(?)”-… Verantwortlichen, Strafenden, Belohnenden… all das stellte einen „Willen Gottes“ dar.

Und von daher kam es, dass das, was unauflösbar schien, langsam zerteilt wurde. Das fortschreitende Wissen (span. conoci-miento’)[1] der Prozesse und seiner nur für die menschliche Spezies interessierte, leicht zu beeinflussenden und vorteilhaften Interpretation bewirkte, dass sich diese Spezies zerteilte, sich trennte, sich vom Rest der Biodiversität abschnitt. Sie verwandelte sich in das, was sie vorher bewunderte –Götter, Bilder…- und sie wurde mächtig.

Ja. In irgendeiner Weise so wie sie es sich vorstellte, dass es vorher war. Sie vergöttlichte sich, sie gestaltete und unterwarf alles, auf was sie traf.

Und so trennte sie sich –aus Selbstgefälligkeit, aus Selbstsucht, aus Selbstvergötterung heraus- von der Schöpfung. Das scheint ein sehr jäher Sprung zu sein. Und in Zeit gerechnet ist es noch nicht so lange her, dass das geschah. Zumindest in der Geschichte. Vielleicht ungefähr Mitte des XIX. Jahrhunderts. Und wir befinden uns gerade einmal im Anfang des XXI. Jahrhunderts. Aber das schwindelerregende sich selbst Zuhören und das Selbstwertgefühl, das fordernd gegenüber der Umgebung und gegenüber der eigenen Spezies ist, entstellte, machte jedweden Einfluss, der nicht seiner war, unfähig.

Sie –die Spezies- erklärte die göttliche Etappe für beendet und gab der menschlichen Etappe einen Anfang.

In dieser Geschichte bleibt eine Frage:

War die Notwendigkeit der Gemeinschaft mit „etwas“ wirklich ein Produkt seiner Unwissenheit über etwas, das er jetzt „weiß“? Oder ist sie –oder stellt sie dar- eine „vitale” Gemeinschaft des Rufs, des Kontakts?

Ja. Das Einfachste –von der aktuellen Sichtweise aus- zu sagen ist, dass sicherlich  unsere Unwissenheit bewirkte, dass wir an Figuren, Bildern, Hypothesen glauben… Aber es geschah und es geschieht, dass diese Methode zu ersetzen, zu untergraben, diese Art und Weise sich als Spezies über alle übrigen zu hegemonisieren zerstört, versklavt, bestraft, beneidet, verurteilt …

Das, was ein Schritt nach vorne im ‚Wissen’ (span. ‚conoci-miento‘) erschien, verwandelte sich in einen unendlichen Krieg der fiktiven Götter, bis es zum persönlichen Kampf mit einem selbst kam. Und ganz offensichtlich mit denen, die am nächsten sind.

Die neuen Götter teilten und bekämpften sich. Und sie bekämpfen sich. Sie stellen sich jeden Tag ihren Wünschen, ihren Vorschlägen, ihren Sicherheiten, ihren Strafen, ihren Ängsten, ihren Verzweiflungen, ihren Zwängen –die sie empfangen und die sie selbstverständlich weitergeben.

Er (der Mensch) zerbröckelt. Er hört auf sich zu verbinden, er hört auf Gemeinsamkeit zu sein, Leben zu sein. Es scheint, als hätte er den ganzen Prozess vergessen, der ihn zu dem brachte, was er ist, bis zu dem Moment als er entschied, eine andere Sache zu sein; die, die er heute ist: Ein Ausschalter des Lebens; ein permanent sich Einmischender gegenüber sich selbst und gegenüber der Umgebung; ein emotionaler, wahrnehmungsmäßiger, sensitiver, der taub ist… der in seinem zusammengerollten eingeimpften Kriterium damit endet, sich selbst zu verschlingen.

 

Ach! Und gleichzeitig wurde er in diesem Prozess gerufen und gerufen. Und sicher,  verschiedene Konglomerate an Religionen haben diese Rufe in irgendeiner Art und Weise aufgegriffen, aber sie haben sie zu den Ihrigen gemacht, um aufzuzwingen, um zu moralisieren, um zu ordnen, um sündhaft zu machen.

 

Und diese Aufenthalte verschwanden nicht, nein. Sie wurden weniger, sie gingen zurück, sie wurden verkauft. In der neuen Welt, in der man alles kauft und verkauft, wurden die heiligen Botschaften verfälscht und sie wurden gemäß des Kaufs und Verkaufs interpretiert.

Aber es ist eigenartig: Im Laufe dieser ganzen Kette an Versklavung schaffte man es nicht, diese ganze Wahrnehmung davon zu verlieren, dass man verbunden (span. ‚religado’) ist, dass man in Beziehung steht, dass man im Einklang ist, zumindest mit etwas mehr als mit einem selbst oder als andere und andere.

Der Betende Sinn wird zum Echo dieses Einklangs. Das ist der Sender, der eine Vision aussendet, eine Wahrnehmung, eine Gesamtheit der Interpretationen wie denen, die wir gehört haben. Aber er macht uns außerdem klar, dass… so viel das Wesen auch auf seine Herrschaft der Macht besteht, wenn es durch den Zerfall zerfressen wird             –ach(!)-… erwacht es zum Einklang. Ja, es erwacht zum Einklang DESSEN, WAS RUFT.

Vielleicht könnte man sagen, dass es „viel zu spät ist“. Für den Menschen ja. Für die Schöpfung gibt es kein „spät“, gibt es kein „bald“.

Der Betende Sinn zeigt uns wie sich, ohne in unsere Vorherrschaften einzugreifen, dort das permanente Pochen des Wunders befindet. Dort befindet sich die Stimme, die in der Wüste ruft. Dort befindet sich die Umhüllung, die das Leben möglich macht.

„Dort befindet sich die Umhüllung, die das Leben möglich macht.“

 

Und es ist nicht schwer den erreichten Zerfall zu sehen…

Und die verbrauchten Ängste…

Wie könnte es sein, dass Gott, die Götter, Angst haben?

 

(4 Minuten der Stille)

Der Betende Ruf… aktiviert uns. Ja. Er aktiviert jede Pore unserer perplexen Beschichtung –Haut. Er macht aus jeder einzelnen von ihnen einen Rezeptor, der die Aussendung aufnimmt, die sich durch subtile Fäden an einen mysteriösen, schöpferischen Sender anschließt. Und so werden wir mit unendlichen Fäden zur Gemeinschaft, werden wir zu Leben der Wahrnehmung und der Perfektion hin zum Makellosen, der Ausnahme; hin zur Gemeinschaft mit dieser Natur der Fäden, welche Lieben ohne Gewinn sind, ohne Forderung: sie werden uns gegeben… als unendliche Großzügigkeit. Und so werden wir zu einem Körper der Gemeinsamkeit mit der Schöpfung. Und so erwidern wir in der Liebe allem gegenüber, allen gegenüber. Und so  setzen wir Prioritäten und wählen wir aus, was zu uns gehört… und wir bieten es der Gemeinschaft mit den unendlichen Aspekten des Lebens an.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Wir vibrieren und wir sensibilisieren uns in diesem Einklang:

 

ABEABEABEABEABEABEABEABEABEEEEE…

 

Aufgelöst und gleichzeitig verschmolzen lässt aus jedem Wesen ein Mysterium in der Kommunion mit der Schöpfung werden und es wird zum Zeugnis mit den anderen, mit allem.

Mit allem.

 

***

 


[1] Conoci (ich wußte), miento (ich lüge)