Es ist der Moment

 

BETENDER RUF

 

(6 Minuten Stille)

 

Wo, wie… und warum fing das Aufschieben an, fing es an, für nachher zu belassen, das „später”, das „jetzt kann ich nicht”, das „wir werden sehen”, das „wir werden reden” und ein langes et cetera?

Wann fing es an, wenn das Leben doch augenblicklich ist…? Ich kann die Verdauung nicht auf nachher verschieben, weil die Nahrung im Magen verderben würde. Ich kann es nicht auf später verschieben zu schlafen, weil die Nachtwache eine Tortur wäre. Ich kann es nicht auf später verschieben zu essen, weil der Hunger das Wesen fertig machen würde. Das Atmen für später zu belassen ist etwas Beängstigendes.

Wie viele augenblickliche und punktuelle Aktivitäten wie der Herzschlag werden pünktlich ausgeführt? Nein… sie verschieben sich nicht.

Und das Auftauchen des Lichts ist pünktlich, je nach Jahreszeit und dank dessen   –unter anderem-… wird das Leben möglich.

In Folge dessen ist es zulässig zu fragen: Und warum die Fristen (span. ‚plazos‘)? Um zu tun, um vorzuschlagen, um zu sprechen, um… auf dem Laufenden zu sein.

- Sind Sie mit Ihren 47 Jahren auf dem Laufenden? Oder haben Sie noch das Ballett aus der Zeit zu erledigen, als Sie 15 Jahre alte waren, die Leibesübung, als Sie 27 Jahre alt waren, die Lektüre des Quijote, als Sie 24 Jahre alt waren…? Wie sieht Ihre Warteliste aus?

- Warteliste? Heißt das, dass jeder eine Warteliste hat? Es ist also nicht zulässig, sich über die Wartelisten zu beschweren.

- Und was erwarten Sie für…?

- Na ja, ich hatte geplant… Aber jetzt…

- Ach! Ah, Ihre Frist (span. ‚plazo‘) ist abgelaufen…? Also das muss zumindest bestraft werden, nicht? Oder eine Zwangsräumung.

- Wie furchtbar! Das muss man sich doch nicht so zu Herzen nehmen nicht wahr?

- So oder so.

Was stimmt ist, dass… in welchem Maße –und das ist der Betende Ruf von heute-… in welchem Maße hat das Aufschieben (span. ‚aplazar‘) und Aufschieben und Aufschieben und Aufschieben unserer Pflicht der Talente, ad Infinitum, für die wir hier sind und wofür wir gebraucht werden, vielleicht etwas zu tun mit dem „Terminverkauft“ (span. ‚venta a plazos‘)?

- „Der Terminverkauf”…? Ach! Der Kauf auf Raten (span. ‚venta a plazos‘), ja, klar. Weil das relativ… neu ist. Die Bezahlung wurde immer in Bar erledigt –sie wurde. Jetzt, ist es fast, fast –in einigen Fällen- verboten…

- Ahhh…! Wahrscheinlich ist das auch eine Widerspiegelung desselben.

Die Sache ist, dass das Wesen aufschiebt –im Moment sehen wir-, die Versprechen aufschiebt, die Vergnügen, die Illusionen, die Worte…

Und… für wann schiebst Du es auf?

- Ich wollte in den Schnee fahren, aber… es ist schon Sommer! Jetzt gibt es keinen Schnee mehr!

- Also bitte…!

- Na gut, ich werde es im kommenden Jahr versuchen.

- „Im kommenden Jahr.” Glaubst Du, dass es für Dich kommen wird? Bist Du sicher?

- Nein. Sicher nicht, nein.

- Ah… aber während er (der Schnee) diesen Winter da war, konntest Du…

- Ja, aber… also meine Großmutter wurde krank… und also… ich lernte einen Jungen oder eine Mädchen kennen… und na gut, die Flugtickets wurden teuer und… also ich war wirklich sehr beschäftigt und…

- Und was? Du bist ein Sack voller Krempel.

„Krempel” (span. ‚coroto‘): ist ein spezifisches oder unspezifisches Wort aus dem venezolanischen Jargon, was… alles ist! Es ist das Wort, das das Alles vereint hat. ALLES hat einen anderen Namen: „Krempel”. „Krempel”. Das ist Krempel (span. ‚coroto‘). „Und Du kommst und steckst Krempel in einen Sack. „Und außerdem steckst Du Krempel hinein”. „Gib mir diesen Krempel… und den anderen da. Und dieses Krempelchen” –die gibt es auch in klein.

Es ist einfach so, dass…, um nicht viele Wort einzusetzen wird das „Krempel“ genannt und fertig.

Und das Wesen reist mit einem Bündel an Krempel, das immer schwerer wiegt. Wird es… wird es etwa so sein, dass sich der RAM-Speicher nicht erneuert und der Papierkorb nicht gebraucht wird(?) –das ist Hightech, man muss auch gar nicht mehr sagen, weil es nicht notwendig ist.

Na dann…

Das mal dazu, was sich auf das Alltägliche bezieht, auf den alltäglichen Krempel: „Mal sehen, ob ich das lese, da das interessant ist, weil…”

Und nach einer Zeit: „Und was musste ich noch lesen, was interessant war…?”

Kann man das Leben aufschieben (span. ‚aplazar’)?

Weil es so zu sein scheint, dass das Leben aus Augenblicken, aus Momenten aus Alltag gemacht ist… Ja. Und ist es, ist es… ist es möglich –wir werden es sagen- ist es möglich, dass sich all das vielleicht in dem Maße nach und nach ansammelt und ansammelt, wie wir aufschieben und aufschieben und aufschieben und aufschieben und es sich nicht recycelt, sich nicht erneuert, sich nicht verändert, sich nicht verbraucht, sich nicht ergibt… und dann wird der Körper schwerer und schwerer, er wird faltiger und faltiger, und er verarmt, er klagt und nutzt ab…?

Wird es das sein…?

Wird es vielleicht so sein, dass dieses Verhalten aufzuschieben (span. ‚aplazar’) etwas zu tun hat mit der „Degeneration”?

Ja. Es scheint, dass die „alten Normen” niemals sterben. Und das Aufschieben wird so sehr zur Hilfe, dass…

- Gut, ich lasse das bis Morgen. Und währenddessen, heute, also…

- Heute, also, was? Gab es einen anderen unvorhergesehenen, unerwarteten oder fantastischen Plan?

- Nein! Es ist einfach nur, dass das, was heute dran war… also nein. Heute, sehe ich das nicht!

- Aber gestern?

- Gestern sah ich das schon.

- Und heute siehst Du es nicht?

- Heute sehe ich es nicht.

- Das heißt, dass Du einen Tag hellsichtig bist und anderntags blind.

 

Das Leben wird gegen Bar gelebt (span. ‚al contado‘). Das haben wir andere Male gesagt, aber manchmal ist es gut zu aktualisieren. Und es ist so, dass bestimmte Aktualisierungen nicht gemacht werden, weil… der Computer keine Kapazität für dieses Programm hat.

Ah...

Klar! Demnach müsste man sich schon in der siebten oder achten Version von was auch immer befinden, aber da man die dritte oder vierte Version nicht angenommen hat, also… dann kommt die Formation und Information der achten Version nicht an. Also muss man den Kurs wiederholen.

Wenn wir einmal hinsehen, die vier Dinge… –um nicht „tausend Sachen” zu sagen, was sehr lang wäre- die vier Dinge, die dem menschlichen Wesen entsprechen        –so allgemein als Spezies-, müssen noch gemacht werden. Und da wir uns in ihr befinden fällt irgendetwas auf uns.

 

(4:00 Minuten der Stille)

 

Ist es etwa so, dass so viel Warteliste im alltäglichen Zusammenleben eine bestimmte „Vergesslichkeit” gegenüber anderen Sphären des Bewusstseins erzeugt, so wie der, sich als Universum zu fühlen, so wie der, auf den Betenden Ruf zu erwidern, so wie der, in einer Position zu meditieren, die wir einnehmen, so wie der, das Universelle, in dem wir leben, zu kontemplieren…?

Ist es etwa so, dass die Sorge (span. ‚preocupación’) und die Beschäftigung (span. ‚ocupación‘) des Wesens viel zu voll ist mit seinen eigenen Aktionen, mit seinen Krempel-Erfolgen, sodass sie Raum einnehmen und… niemals Platz ist für das Notwendige und für die Aktualisierung?

Manchmal scheint es, dass man in einem ewigen… –„E-wigen“- Verzug lebt.

Manchmal so ewig, dass man sehr bald altert.

 

Man hat das Erreichte, das Erzielte prämiert und stimuliert und man bewahrt es in einer goldenen Truhe auf, die man überall hinträgt, aber sie quillt über.

Man vergisst jene Epoche, in der die Dinge für gestern waren und sie gehen dazu über, Aktionen und Realisationen für… „wir schauen mal” zu sein.

 

Ausgenommen ausnehmender Ausnahmen, wird das, was man mit Enthusiasmus und mit Euphorie und mit Lust beginnt –mehr oder wenig- bald zur Gewohnheit. Auf dieses „Bald“ folgt ein anderes Bald, das zur Tradition wird und bald wird es zur Kruste, ja: die Kruste einer Wunde. Und die füllt alles aus. Und jedwede Störung, „Neuheit” genannt… –das nennen wir jetzt „Störung”-, jedwedes genannt „auf den Punkt bringen”, „Überprüfung“ genannt, „Qualitätskontrolle” genannt… erzeugt ein bemerkbares Unbehagen.

 

Die Forderung der Schöpfung hin zum Geschöpften –speziell gegenüber dem Menschen- ist groß. Die Forderung gegenüber dem Menschen, seitens der Schöpfung, ist groß.

Und sie wird noch größer, wenn… man Individuum für Individuum zählt.

„Und sie wird noch größer, wenn… man Individuum für Individuum zählt.“

Und es ist passend sich zu fragen: „Welcher Teil der Forderung betrifft mich?”

Und wie oft –und wie oft-, aus Dringlichkeit, muss man sich um etwas kümmern, was jemand anderes… tun sollte?

Wodurch man aufhört, das Eigene zu tun, was seinerseits notwendig für andere war. Aber das wird nicht gesehen.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Wieviel Liebe wurde verworfen! Wieviel Liebe… wurde weggeschoben(!), hat man für später belassen…

Wieviel Sanftheit wurde zurückgehalten…!

Wieviel Illusion wurde übermittelt...!

Wieviel Frustration wurde nicht geklärt, noch war man in der Lage, die notwendige Hilfe zu erbitten…

Wieviel Egozentrik wurde verkonsumiert, indem man die Forderung… der Schöpfung… ignorierte…!

 

Diese Forderung der Schöpfung, die neu erscheinen mag, als… –manchmal- schwierig zu identifizieren, aber, die wir ganz leicht durch den Verfall bemerken können, den Verfall, der sich in der gesamten Facette des Wesens ausgebreitet hat.

Wenn man einfach nur den Verfall beobachtet, der sich an diesem Ort des Universums „Planet” erzeugt hat, auf dem die Spezies fähig war… die Nahrung der Kommunikation zu zerstören…, die Nahrung der Erde, die Nahrung der Kommunikation, die Nahrung des Verhältnisses mit der Umgebung…

Diese Offensichtlichkeiten führen uns klar vor Augen…, dass es eine Forderung seitens der Schöpfung gibt, diese schwerwiegenden Mangelzustände in Ordnung zu bringen, die uns dazu bringen zu denken, dass wir, wenn wir so weitermachen, verschwinden werden, wo doch gemäß des Lebens gerade das Leben noch zu tun bleibt, zu leben(!) bleibt. Es scheint so, dass das, was man bis jetzt gelebt hat, nur eine Probe war!

„Eine Probe”..., eine Probe, um das Werk zu leben, zu seiner authentischen Szene zu bringen. Ist es das?

Jedenfalls scheint es so, dass der Regisseur des Werks sich anstrengt, das Werk so bald(!) wie möglich aufzuführen. Es scheint als, ob ER sagen würde, dass es bereits genügend Proben gab… die uns dahin gebracht haben, das himmlische Prana, die Stütze der Erde, aufzubrauchen! Dahin, die ursprüngliche Partitur zu erschöpfen und egoistische, den Kontakt verlorene Partituren zu schaffen…

Und klar, alles scheint darauf hinzuweisen, dass das Theater noch nicht aufgebaut ist. Alle Elemente sind da: die Scheinwerfer, die Bodenelemente, die Vorhänge… alles! Aber…

- Ja! Es wurde sooft angekündigt, dass das Werk aufgeführt werden wird…!

- Eine Aufführung… des Lebens?

- Sie wurde sooft angekündigt(!), dass sie an Aktualität verloren hat…

- Na gut, ja! Na gut, vielleicht…! Aber klar! Vielleicht ist das nicht sehr rentabel. Wahrscheinlich brauchen wir mehr Proben.

- Mehr Proben?

 

(2:00 Minuten Stille)

 

Ja, nach den Gerüchten zu Urteilen sind noch die Szenen der Eintracht, der Solidarität, der… auf das Laufende bringen, zu läutern. Das gesamte Textbuch des Vertrauens muss noch festgelegt werden, vor allem der Teil des gegenseitigen Vertrauens. Der Teil des persönlichen Vertrauens scheint zu stehen. Übrigens, ich weiß nicht, wer diese Rolle übernehmen wird.

Und so gibt es eine Handvoll Szenen, die nicht klar sind. Obwohl sie da sind, sind sie doch nicht da. Das bedeutet… sie zu üben… ja, man wird sie schon mal geübt haben, aber...

 

(5:00 Minuten der Stille)

 

Aber die Tatsache, den Betenden Ruf zu produzieren, ist ein Zeichen, dass sich aufs Laufende zu bringen, auf den Punkt zu bringen, das in Bar setzen noch möglich ist.

Dass die Schöpfung, obwohl es scheint, dass wir uns am Abgrund befinden, neue Universen und Räume kreiert, um den Abgrund in die Ferne zu rücken und um uns in Folge dessen mit der Forderung die Hilfe(!), die Kraft(!), die Inspiration(!), den Bezugspunkt(!), die Referenz(!), die Führung(!), die Ressourcen zu geben…, um uns zu regenerieren, um die Degeneration aufzuhalten… und um uns als Folgende dieser Expansion zu zeigen… ohne irgendetwas… –oder besser gesagt- nichts unerledigt zu haben.

 

(2:00 Minuten der Stille)

 

Es ist der Moment.

 

***